Aziz beim Papst

13. Februar 2003, 19:56
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Manche Aspekte der Irakkrise wären ja durchaus komisch - ein Kommentar von Gudrun Harrer

Manche Aspekte der Irakkrise wären ja durchaus komisch, wenn es nicht um so viel ginge. Aber "His Master's - Saddams - Voice" Tarik Aziz, der auf allen Kriegsverbrecherlisten der irakischen Opposition steht, in Assisi beten und am nächsten Tag in Umarmung mit dem katholischen Papst zu sehen, auf der Flucht vor dem "Hitler Bush" (O-Ton Aziz), übersteigt wirklich jede Grenze des guten Geschmacks. Die Betonung seines angeblichen Christentums macht den irakischen Vizepremier jedoch fürs westliche Publikum offensichtlich a priori zu einem besseren Menschen als die anderen irakischen Regimebetonköpfe. Die zum Großteil natürlich nicht muslimischer sind als er christlich.

Allerdings befindet sich Tarik Aziz mit seiner propagandistischen Religionsinstrumentalisierung in einer guten irakischen Tradition der letzten zwei Jahrzehnte: War die Baath-Bewegung vorher streng säkular und überkonfessionell, so nahm Saddam Hussein erstmals vermehrt während des irakisch-iranischen Krieges in den Achtzigerjahren zum Islam Zuflucht, um den religiösen Legitimationsvorsprung Irans unter Khomeini - und dessen gefürchteten Einfluss auf die irakischen Schiiten - wettzumachen. Der Krieg um Kuwait 1991 war dann bereits ein "heiliger", und heute kommt Saddam - der in der Zwischenzeit auch einen Stammbaum aufgestellt hat, der seine Abstammung vom Propheten Muhammad "beweist" - bei seinen Ansprachen vor lauter Allahu Akbar kaum mehr zum Reden.

Und nun ist also das chaldäische Christentum dran, das, wie praktisch, zu Rom gehört. Es ist zwar nicht die Aufgabe des Papstes, aber vielleicht sagt er Aziz ja doch, dass da Beten nichts mehr hilft. Wenn die irakische Führung den Irakern einen Krieg ersparen will, muss sie sich etwas anderes einfallen lassen.

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