Hans Blix: Einer, der nichts mehr werden muss

13. Februar 2003, 19:52
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Warum er sich das alles antut, er muss doch nichts mehr werden, fragen sich so manche. Über den 74-jährigen Schweden Hans Blix, der heute, Freitag, gemeinsam mit Mohamed ElBaradei - kürzlich an dieser Stelle porträtiert - im Sicherheitsrat im New York die Worte sprechen wird, die vielleicht über Krieg und Frieden entscheiden, kann man zumindest eines mit Gewissheit sagen: Er hat eine eiserne Konstitution, sein Arbeits- und Reisepensum in den vergangenen Monaten könnte einen weit Jüngeren umbringen.

Die Müdigkeit, die er ohne Zweifel in sich trägt, ist ihm nicht anzusehen; nur selten wird er nervös - wie zuletzt, als die Dash der Tyrolean, die ihn von Wien nach Budapest zu einem Anschlussflug nach Zypern bringen sollte (von wo es nach Bagdad ging), wegen einer Panne zwei Stunden verspätet war. Mit Journalisten, die ihm an allen Ecken auflauern, hat er eine Eselsgeduld, die Interaktion mit ihnen scheint er zu genießen.

Hans Blix war bereits Pensionist, als er Anfang 2000 als Leiter der Irak-Abrüstungsmission Unmovic (U.N. Monitoring, Verification and Inspection Commission) ins Arbeitsleben zurückgeholt wurde - und in was für eines. Zwar verliefen die zwei ersten Unmovic-Jahre ruhig: Die Kommission wurde etabliert, ausgebildet und arbeitete sozusagen im Trockendock an den bereits vorhandenen Erkenntnissen über das irakische Massenvernichtungswaffenprogramm, die die Vorgängerkommission Unscom (U.N. Special Commission) 1991 bis 1998 im Irak gewonnen hatte. Erst Mitte November 2002, nach der Resolution 1441, war es dann so weit, die Unmovic wurde im Irak operativ. Und nun soll, geht es nach dem Willen der Hardliner, auch schon wieder alles zu Ende sein.

Blix, Völkerrechtler, Diplomat, schwedischer Kurzzeit-Außenminister und von 1981 bis 1997 Generaldirektor der in Wien ansässigen Atomenergiebehörde (IAEO), ist ein sympathischer Mann, der nicht nur Freunde hat. Als IAEO-Chef war er den USA (im Nachhinein) zu lasch bei der Erforschung des irakischen Nuklearprogramms; wohl um nicht mit den gleichen Vorwürfen konfrontiert zu werden, ist der jetzige Behördenchef ElBaradei in der Iraksache heute viel sichtbarer als Blix damals - obwohl ein IAEO-Chef bei Gott auch anderes zu tun hat (siehe Nordkorea).

Falls die USA heute noch mit seiner Arbeit unzufrieden sind, so halten sie sich diesbezüglich bedeckt: Immerhin fiel Blix' Bericht am 27. Jänner unfreundlicher mit dem Irak aus, als die meisten Beobachter es erwartet hatten. Was ihn ein paar Tage später aber auch nicht daran hinderte, wortgewaltig eine negative Überinterpretation seiner Worte durch die USA richtig zu stellen. Er muss eben wirklich nichts mehr werden. (DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 14.2.2003)

von Gudrun Harrer
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