"Gift-Cocktails" im Paprika

13. Februar 2003, 19:57
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Schon wieder Gift im Gemüse und die Behörden schweigen - doch die Rache der Konsumenten beginnt zu wirken

Wien - Konsumenten protestierten, Händler wiegelten ab: Standard-Berichte über pestizidbelastetes Obst und Gemüse sorgten vor genau einem Jahr für hitzige Debatten, zuständige Bundespolitiker beteuerten, dass künftig strenger kontrolliert, Belastungen transparent gemacht und Testergebnisse regelmäßig veröffentlicht werden. Heute, zwölf Monate später, liegen in den Obst- und Gemüseregalen heimischer Supermärkte nach wie vor hoch belastete Lebensmittel.

Testserie Paprika

Die Umweltorganisation Global 2000 führte dieser Tage - wie 2002 - exemplarisch eine Testserie bei spanischen Paprikas und Paprika-Mixpaketen (gelbe, rote, grüne Exemplare) durch. Alle untersuchten Paprikas waren belastet. Im Schnitt war auch diesmal jede einzelne Probe mit bis zu sieben unterschiedlichen Pestiziden kontaminiert. In zwei Fällen wurden auch die Grenzwerte überschritten. Schwer belastet waren auch verschiedene Traubensorten. Bedenklich seien besonders die hormonähnlichen Wirkstoffe Chlorpyrifos und En_do_sulfan, sagt Global-2000-Mediziner Klaus Kastenhofer.

Pestizidcocktails

Das Problematische an den Pestizidcocktails sei zudem, dass es dafür keinerlei Grenzwerte gebe. "Eine Riesenlücke im Gesetz", kritisiert Kastenhofer. In Summe sei die jetzt gemessene Belastung der Paprika jedenfalls "noch schlimmer als vor einem Jahr".

Die Rache der Konsumenten

Langsam aber beginnt die Rache der Konsumenten zu wirken. Denn die Umsätze der spanischen Paprika gehen drastisch zurück. Nun beginnt der Handel umzudenken. Ein europäischer Händler, der auch den österreichischen Großhandel mit Gemüse und Obst beliefert, will nun gemeinsam mit Global 2000 eine Reduktion der Pestizide erreichen. Ein konkretes Projekt über eine radikale Pestizidsenkung, in das auch die Produzenten etwa in Spanien eingebunden werden, sei in Arbeit, heißt es in der Umweltorganisation.

Tierische Nützlinge statt Pestizid

Aber auch heimische Produzenten gehen neue Wege. In einem frisch errichteten, zweieinhalb Hektar großen Glashausbetrieb in Niederösterreich werden ausschließlich tierische Nützlinge zur Bekämpfung von Schädlingen wie Blattläusen eingesetzt. Betriebsinhaber Johann Weidenauer-Pichler: "Ich lehne Chemieeinsatz ab. Es geht auch so. Es ist ökologisch, aber auch wirtschaftlich interessant." 1. Ernte: Anfang März. (Walter Müller, DER STANDARD Printausgabe 13.2.2002)

"Pestizid"-Paprika sorgten vor einem Jahr für Aufregung unter Konsumenten. Global 2000 hat nun Kontrolltests durchgeführt. Das Ergebnis: Das Gemüse ist nach wie vor mit "Gift-Cocktails" belastet. Der Handel beginnt erst jetzt umzudenken
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