Körberlgeld mit Skistars

13. Februar 2003, 19:29
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Lukrative Nebenjobs - Universitätschirurgen operieren Skistars auch in Privatkliniken und Sanatorien - Zum Missfallen der Innsbrucker Unileitung

Innsbruck - An der Innsbrucker Unfallchirurgie soll alles vorbereitet gewesen sein. Aber dann wurde Skiweltmeister Mario Matt von den Chirurgen Gernot Sperner und Karl Golser im Innsbrucker Privatsanatorium der Barmherzigen Schwestern an der verletzten Schulter operiert. Nicht in der Uniklinik, an der die Chirurgen damals tätig waren.

Wer darf die Skistars operieren?

Wer darf die Skistars operieren, und vor allem wo? Seit damals ist die Frage nicht verstummt. "So kann’s nicht sein", sagt Innsbrucks Uni-Vizerektor Peter Gröbner, "dass Ärzte von der Uni für den Österreichischen Skiverband (ÖSV) dienstfrei gestellt werden und dann die Privatpatienten außerhalb behandeln". Gröbner sieht einen beträchtlichen Imageschaden für das Unikrankenhaus.

40 Ärzte begleiten die Skiasse während der Weltcupsaison

Österreichweit begleiten an die 40 Ärzte jedes Jahr die Skiasse während der Weltcupsaison. Die meisten, sagt ÖSV- Arztreferent Ernst Raas, "werden relativ einfach frei gestellt für den Skizirkus". Raas schätzt, dass Operationen etwa zur Hälfte in Privatkliniken durchgeführt werden. Der Sportmediziner hat zwar für das Anliegen der Unileitung Verständnis, betont aber, dass das Recht auf freie Arztwahl nicht tangiert werden dürfe.

Lukrativen Nebenjobs

Die Unileitung wirft jüngst, wie berichtet, ein Augenmerk auf die lukrativen Nebenjobs ihrer Mediziner, die ja neben Patientenbetreuung auch forschen und lehren sollen. ÖSV und Uni haben nun vereinbart, dass sich die Mediziner für die Hälfte ihres ÖSV-Einsatzes Urlaub nehmen.

"Niedrige Einkommen"

Christian Fink, einer der die Skistars begleitenden Innsbrucker Unfallchirurgen, verweist auf das "niedrige Einkommen" von habilitierten Bundesärzten: "Wir erhalten 2200 Euro netto, mit Nachdiensten nochmals 1000 Euro." Nach Auskunft eines anderen Arztes, der nicht genannt werden will, dürfte sich die Situation durch eine Maßnahme des Chefs der Unfallklinik entspannen: Michael Blauth, der nicht erreichbar war, soll entschieden haben, die Hälfte des Honorars bei Privatpatienten jenen Ärzten zukommen zu lassen, die tatsächlich den Eingriff vornehmen. (bs, DER STANDARD Printausgabe 14.2.2003)

Universitätschirurgen operieren Skistars auch in Privatkliniken und Sanatorien. Zum Missfallen der Innsbrucker Unileitung. Denn die Mediziner werden für den Skizirkus vom Dienst freigestellt. Die Chirurgen verweisen auf die "freie Arztwahl".

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