"Das funktioniert nur mit diesem Körperbau"

15. Februar 2003, 20:01
10 Postings

Alle interessieren sich plötzlich für Bode Miller und sein außergewöhnliches Bewegungstalent

Nicht so bald, glaubt Toni Giger, Cheftrainer des österreichischen Herrenteams, werde Bode Miller eine Abfahrt gewinnen. Seine Hocke entspreche noch nicht dem idealen Bild. Aber bei Miller, fügt Giger sicherheitshalber dazu, wisse man nie.

Alle ziehen den Hut vor Miller, dem Superstar dieser WM, dessen Hochform insofern um ein Jahr zu spät kommt, als bei ihm daheim - nicht in Patsch, sondern in New Hampshire und Umgebung - nur olympische Medaillen aus Sportlern Berühmtheiten machen.

Aber Miller (25) hat ja noch Zeit bis zu den Spielen 2006 in Turin. Wenn ihm nichts Grobes widerfährt, kann er noch 2010 auftrumpfen. In Kitzbühel, wo im Falle einer erfolgreichen Salzburger Bewerbung die alpinen Herrenbewerbe stattfinden würden.

"Naturgegebenes Bewegungstalent"

"Bode", sagt Giger, "ist kein gemachter, gelernter Skifahrer, "er setzt sein naturgegebenes Bewegungstalent auf Skiern um." Während andere Fehler mitzögen, durch diese völlig aus dem Rhythmus geworfen würden, korrigiere er diese im folgenden Schwung.

Seit drei Jahren existiert eine Kooperation zwischen dem ÖSV und dem US-Skiteam. Organisatorische Angelegenheiten stehen dabei im Vordergrund. Die Österreicher checken den Amerikanern Trainingsmöglichkeiten in Europa oder auch in Neuseeland, im Gegenzug werden den Österreichern Pisten in den USA, aber auch in Chile reserviert. "Unsere Trainingspläne", sagt Giger, "liefern wir sicher nicht frei Haus."

Besondere Gabe

Mitunter wird aber schon gemeinsam geübt, wie heuer drüben in Beaver Creek oder hüben in Sölden, wo man die der Quali dienenden Zeitläufe gemeinsam abhielt, um Rennsituationen zu simulieren. Schon während der St. Moritzer WM bespricht Giger mit Phil McNichol, dem Chefcoach der US-Herren, wo man es im Sommer anlegen wird. Giger: "Es kann uns nichts Besseres passieren, als so einen Athleten zu beobachten."

Von Miller, meint Giger, könne man durchaus was lernen, aber es funktioniere nicht, seinen Stil zu kopieren. "Die Knie sind extrem nach vorne gedrückt, der Oberkörper ist aufrecht, die Arme streckt er seitlich weg, der Hintern ist extrem weit hinten. Das funktioniert nur mit seinem Körperbau." Und er habe die natürliche Gabe, die Kanten besonders gleichmäßig zu belasten, den Ski laufen zu lassen.

"Wichtig für den Skisport"

Gern lässt sich Miller von ÖSVlern Laktattests unterziehen, seine Werte sind natürlich gut. Achtung Scherz: Ob man Miller schon Gewebsproben entnommen habe, um ihn zu studieren, frug man bei dieser Gelegenheit Toni Wicker, einen der ÖSV-Ärzte, der dementierte, weil das keinen Sinn mache bei einer so komplexen Angelegenheit wie dem Skisport.

Der zweite, extrem drehende Riesenslalomdurchgang kam noch einmal zur Sprache. "Darüber dürfen wir uns nicht aufregen", so Giger, "wenn Miller gewinnen kann, müssen wir es auch können." Und das Können war ja durchaus vorhanden, wie die drei Hundertstel Rückstand des Hans Knauß bestätigen. Knauß, der seine Silberne ordentlich gefeiert hat mit seinen Schladminger Freunden im Österreich-Haus: "Bode ist wichtig für den Skisport." (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 14. Februar 2003, Benno Zelsacher aus St. Moritz)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Bode Miller zählt noch einmal seine Medaillen.

Share if you care.