Deutscher BA droht Bruchlandung

14. Februar 2003, 19:05
2 Postings

Der Preiskampf in Deutschland fordert Opfer- Die Deutsche BA, zweitgrößte Gesellschaft nach der Lufthansa, ist nach der Umstellung zum Billigflieger gefährdet

Berlin - Die Fluggesellschaft Deutsche BA (dba), eine Tochter der British Airways, kämpft ums Überleben. Wenn die Übernahme durch den Konkurrenten EasyJet scheitere, müsse im schlimmsten Fall der Geschäftsbetrieb eingestellt werden, warnte dba-Chef Martin Wyatt. Zuvor waren die Gespräche mit der Pilotenvereinigung Cockpit abgebrochen worden, weil EasyJet ein von den Piloten gefordertes Ultimatum nicht akzeptiert hatte. Die Piloten wollten erreichen, dass EasyJet zusichert, die Kaufoption auszuüben und eine Arbeitsplatzgarantie abgibt. Bei der Deutschen BA arbeiten 800 Mitarbeiter, darunter 200 Piloten.

Mehr Passagiere - weniger Umsatz

Mit Beginn des neuen Geschäftsjahres 2002 wandelte sich die defizitär arbeitende Fluggesellschaft zur Billigairline. Mit 130 Flügen pro Tag konzentriert sich die zweitgrößte Fluggesellschaft der Bundesrepublik auf den innerdeutschen Markt. Die Deutsche BA konnte zwar die Passagierzahl auf den sieben innerdeutschen Strecken um 13 Prozent auf knapp 1,5 Mio. Kunden binnen eines Jahres steigern. Wegen der gesunkenen Preise sank aber gleichzeitig der Umsatz von 180,6 auf 146,3 Mio. €.

Damit geriet die deutsche Airline immer mehr ins Trudeln. Der europäische Marktführer im Bereich Billigflieger, EasyJet, sicherte sich daraufhin eine Option für eine Übernahme, forderte aber gleichzeitig einen neuen Tarifvertrag mit den Beschäftigten zur Kostensenkung. Nach Angaben der Pilotenvereinigung erklärten sich ihre Mitglieder bereit, der Erhöhung der jährlichen Flugstunden von derzeit rund 600 auf das gesetzlich zulässige Höchstmaß von 1000 zuzustimmen. Die von den Piloten verlangte ultimative Stellengarantie wollte EasyJet aber nicht abgeben.

Ausgang offen

Wie es weitergeht, ist völlig offen. Die Fluggesellschaft hofft auf eine Fortsetzung der Gespräche mit den Piloten am Montag. Die Pilotenvereinigung befürchtet bereits, dass EasyJet an der Deutschen BA selbst gar nicht interessiert ist, sondern nur an den Start- und Landerechten insbesondere an deren Drehkreuz München. EasyJet kann seit dem Kauf des Konkurrenten Go diesen Flughafen, der auch Anlaufstation für Passagiere aus Westösterreich ist, nur in Ausnahmefällen anfliegen.

Am deutschen Markt sind die Billigfluglinien Ryanair, Hapag Lloyd Express, Air Berlin und die mit Lufthansa verbundene Germanwings engagiert. Am Freitag brachte die Deutsche BA eine Beschwerde bei den Kartellbehörden gegen die neuen Lufthansa-Locktarife von 88 Euro für innerdeutsche Flüge ein. Zumindest der Preiskampf geht in Deutschland weiter. (Alexandra Föderl-Schmid, DER STANDARD, Printausgabe 15.2.2003)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Wenn die Übernahme durch den Konkurrenten EasyJet scheitert, muss bei der Deutschen BA im schlimmsten Fall der Flugbetrieb eingestellt werden.

Share if you care.