Ein Duft-Bild im Gehirn entsteht

14. Februar 2003, 16:22
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Bei Mäusen enthält es detaillierte Informationen beispielsweise über Geschlecht, Identität und Sozialstatus

Denver - Wer an diesem Valentinstag an einer Rose schnuppert, dessen Gehirn erkennt beinahe 100 Reize verschiedener Duftmoleküle, die zusammen das berauschende Parfum der Blume ausmachen. Das ist schon erstaunlich genug. Zumindest Mäuse können aber noch mehr: Sie machen sich über körpereigene Duftstoffe, so genannte Pheromone, sogar ein detailliertes Bild voneinander.

Im Gehirn der Maus entsteht dank spezialisierter Nervenzellen ein "pheromonales Bild" des anderen Tieres, wie Lawrence Katz und Minmin Luo von der Duke University in Durham (US-Bundesstaat North Carolina) auf dem weltgrößten Forschertreffen in Denver (US-Bundesstaat Colorado) berichteten. Die Jahrestagung der Amerikanischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften AAAS wurde am Donnerstag eröffnet.

Detaillierte Informationen

Pheromone sind Duftstoffe, mit deren Hilfe sich Lebewesen derselben Art verständigen. Bisher war aber kaum etwas darüber bekannt, welche Art Botschaften Pheromone zum Gehirn senden und wie diese dort verarbeitet werden. Katz und Luo untersuchten nun das Gehirn von Mäusen, während diese die feinen chemischen Signale ihrer Artgenossen erschnüffelten. Das dabei entstehende pheromonale Bild enthält detaillierte Informationen beispielsweise über Geschlecht, Identität, Sozialstatus und die Fortpflanzungsreife eines Weibchens. Die Forscher nehmen auf Grund der speziellen Signalverarbeitung im Mäusehirn sogar an, dass sich die Nager an den pheromonalen Bildern erkennen wie Menschen am Gesicht.

Viele Säugetiere, von der Maus bis zum Elefanten, besäßen die Fähigkeit, Pheromone bildlich auszuwerten, berichteten Katz und Luo, deren Arbeit in einer künftigen Ausgabe des Fachjournals "Science" erscheinen soll. Die Duftreize werden dafür durch ein spezialisiertes Sinnesorgan aufgenommen. Diese Vomeronasal-Organ befindet sich in der Nasenhöhle und sendet seine Signale ans Gehirn. Im Mäusehirn sind besondere Pheromon-empfindliche Neuronen fein darauf abgestimmt, Geschlecht und sogar die genetische Ausstattung einer anderen Maus zu erschnüffeln, wie die Forscher feststellten.

Ungeklärte Übertragbarkeit

Das pheromonale Geruchssystem sei kein Teilbereich des normalen Geruchssinns, betonte Katz. Bei Säugetieren seien die beiden Sinnesorgane zwar im selben Körperteil angeordnet, kommunizierten im Gehirn aber nicht direkt miteinander. Ob dieses Prinzip auch auf den Menschen übertragbar ist, bleibt zunächst ungeklärt. Weitere Experimente sollen unter anderem der Gedächtnisbildung auf die Spur kommen. Weibliche Säugetiere erinnern sich laut Katz erstaunlich lange an das "Duftbild" ihres Partners. (APA/dpa)

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