Fußi stolpert über "braunes Gesindel"

13. Februar 2003, 18:54
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Die Demokraten-Chef wegen Beleidigung von FPÖ-Politikern zu 80 Euro bedingt verurteilt - Teurer kommen ihn die Anwaltskosten

Wien - Rudolf Fußi, Vorsitzender der "Demokraten", muss mit drei formal beleidigten, aber gut aufgelegten freiheitlichen Politikern und deren zwei ausgelassenen Rechtsanwälten einen engen Raum im Wiener Landesgericht teilen. Als laues Symbol aktionistischer Revolte stellt Fußi, der etwas verunglückte Schlingensief der österreichischen Abfangjäger-Politik, eine halbvolle Cola-Light-Flasche auf das Zeugenpult. "Was soll das?", fragt die Richterin. "Ich bin auf Diät", sagt Fußi. "Das ist der Rest von der Millionenshow", kommt es von blauer Seite. (Der hoch verschuldete Fußi hat bei Armin Assinger jüngst 15.000 Euro gewonnen.) Die Politiker lachen hämisch. "Scherzkekse", schimpft Fußi. Der Ehrenbeleidigungsprozess wird seiner Sache im Ton nie ungerecht.

Bei einer Pressekonferenz hatte Fußi die Entwicklung der FPÖ so vorgezeichnet, "dass letztlich die Wirtschaftsliberalen aus der Partei weggeekelt werden sollen und der deutschnationale Flügel und das braune Gesindel rund um Stadler, Achatz, Kabas und Windholz jetzt auch wieder federführend tätig sein werden". Die Genannten haben geklagt. "Wenn sich wer beleidigt fühlt, entschuldige ich mich gern", schlägt Fußi vor. Ausdrücklich hätte er "braunes Gesindel rund um (...)" gesagt. "Die vier intelligenten Herren" hätte er damit nicht gemeint.

Fußis Anwalt unternimmt dennoch den zaghaften Versuch eines Wahrheitsbeweises für "braunes Gedankengut". Hilmar Kabas wird an ein paar feurige Reden im Wahlkampf erinnert, hat aber keinen Kalender dabei und kann daher leider nicht viel dazu sagen. Volksanwalt Ewald Stadler hatte sich bei einem Sonnwendfeuer einmal auch der benachteiligten Opfer der Besatzungsmächte angenommen. Und Niederösterreichs Landeschef Ernest "Unsere Ehre heißt Treue" Windholz hätte sein Zitat nie im Leben mit der SS in Verbindung gebracht.

Rudolf Fußi wird zu einer bedingten Strafe von 80 Euro verurteilt. Die Prozesskosten muss er zahlen. "Seid’s ihr teuer?", fragt er die FPÖ-Anwälte. "Teurer als die Geldstrafe", erwidern diese. Das Prozessende geht im Gelächter unter. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.2.2003)

Von Daniel Glattauer

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Fußi in der "Millionenshow"

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    Fußi wurde auf Grund der Beschimpfungen von FPÖ-Politikern zu 80 Euro bedingt verurteilt, weit teurer kommen ihn die Anwaltskosten, die er übernehmen muss.

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