Fernsehwissenschafter: Deutsche TV-Manager machen bei "Superstar"-Sendung Fehler

13. Februar 2003, 13:26
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"Einen Superstar kann es höchstens einmal im Jahr geben"

Der große Erfolg der RTL-Casting-Show "Deutschland sucht den Superstar" könnte nach Ansicht des Fernsehwissenschafters Lothar Mikos schon bald vorüber sein. "In Deutschland verbrennen Fernsehmanager im Übereifer viele Formate", sagte der an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam tätige Wissenschafter. Die jetzt bereits für den Herbst geplante zweite Staffel des Musikwettbewerbs sei ein Fehler. "Einen Superstar kann es höchstens einmal im Jahr geben." Das Sendeformat werde dadurch einfach überreizt.

Derselbe Fehler sei auch bei anderen Formaten, zum Beispiel den Reality-Shows wie "Big Brother", gemacht worden. "In vielen Ländern der Welt gibt es noch "Big Brother", und zwar einmal im Jahr auf nur einem Sender", betonte der Wissenschafter.

Zukunftsträchtig

Prinzipiell hält Mikos das Sendeformat von "Deutschland sucht den Superstar" aber für zukunftsträchtig. Vor allem die "Cross-mediale Maschinerie" sei ein Erfolgsgarant. Viele Sender berichteten vor und nach der Show ausführlich, kaum eine Boulevard-Zeitung erscheine am Folgetag ohne Beiträge über die Kandidaten, hinzu kämen Merchandising-Produkte wie Zeitschriften und CDs. Und außerdem: "Wenn sich Zuschauer beteiligen können, werden sie an die Sendung auch gebunden", erklärte der Wissenschafter den Publikumserfolg.

"Dauerwerbesendung"

"Ich wundere mich aber, dass die Landesmedienanstalten noch nicht gegen die Sendung vorgehen", sagte Mikos. Er hält die Show für eine "Dauerwerbesendung" des Bertelsmann-Konzerns. Sie sei aber juristisch ein schwieriger Grenzfall. Er meint auch, dass die mehr als zwölf Millionen Zuschauer, die im übrigen nur ein Achtel der Bevölkerung seien, nicht zu hoch bewertet werden sollten: "Viele gucken die Show nebenbei oder nur aus Neugierde, um mitreden zu können." Nur wenige fieberten wirklich mit und identifizierten sich mit der Sendung. Aber: "Qualität hat offenbar nichts mit Erfolg zu tun", muss Mikos zugeben. Moderation und Dramaturgie seien schlecht, es handele sich eigentlich um eine "simple Nummernrevue". (APA/dpa)

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