Katastrophen-Szenario zwei Tage vor Absturz

13. Februar 2003, 18:50
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NASA-Ingenieur rechnete notfalls mit Bauchlandung oder starker Aufheizung im Shuttle-Inneren

Washington - Zwei Tage vor der Columbia-Katastrophe hat ein NASA-Ingenieur ein Katastrophen-Szenario für den Fall entworfen, dass das linke Landefahrwerk der Raumfähre beschädigt und beim Eintritt in die Erdatmosphäre überhitzt würde. Die US-Raumfahrtbehörde NASA veröffentlichte am Mittwochabend eine interne E-Mail, die der Ingenieur Robert Daugherty am 30. Jänner geschrieben hatte.

Daugherty hatte darin abgewogen, was bei der Landung passieren könnte, falls das beim Columbia-Start abgeplatzte Stück Isolierschaum die Abdeckung des Landefahrwerks beschädigt haben sollte. Der Wissenschaftler vom NASA-Forschungszentrum in Langley zeigte sich darin besorgt, dass sich das Aluminium der Columbia-Räder aufheizen und die Reifen zum Platzen bringen könnte. Festklemmende Trümmerteile könnten dann das Ausfahren des Fahrwerks verhindern, so dass die Raumfähre notfalls eine Bauchlandung machen müsste. Möglich sei auch, dass sich das Innere des Shuttles so stark aufheizen werde, dass wichtige Instrumente wie das Hydrauliksystem zerstört werden könnten.

Starker Temperaturanstieg

Unmittelbar vor dem Auseinanderbersten der Columbia hatte das NASA-Kontrollzentrum in Houston einen starken Temperaturanstieg auf der linken Seite der Raumfähre festgestellt. An Bord waren zudem Unregelmäßigkeiten beim Reifendruck registriert worden.

Die NASA hatte Daugherty selbst um seine Einschätzung gebeten. Zwei Tage vor seiner Mitteilung waren Ingenieure der Raumfahrtbehörde nach tagelangen Beratungen jedoch zu dem Ergebnis gekommen, dass das beim Start abgeplatzte Stück Isolierschaum vermutlich zu keinen gefährlichen Schäden geführt habe. Im Antwortschreiben an Daugherty bedankte sich der zuständige NASA-Mitarbeiter für die "offenen" und "nützlichen" Ausführungen. Die NASA hoffe "wie jedermann, dass die Analyse des Trümmer-Einschlags korrekt ist".

Die Columbia war am 1. Februar aus noch unbekannter Ursache beim Landeanflug auseinandergebrochen. Bei dem Absturz kamen alle sieben Astronauten ums Leben. Kurz nach dem Start am 16. Jänner war ein Stück Isolierschaum in die linke Seite des Shuttles eingeschlagen. Die NASA-Experten prüfen, ob diese Beschädigung letztlich zum Absturz der Raumfähre geführt haben könnte. (APA)

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