Bratnudel statt Striptease

1. Juni 2004, 13:37
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Die wahrscheinlich gestylteste neue Bar in Wien hat nicht nur pikante Asia-Gerichte auf der Karte, sondern auch eine ebenfalls nicht gerade unpikante Vorgeschichte

An Quereinsteigern mangelt es in der Wiener Szenegastronomie ja nicht unbedingt, Journalisten, Sportler, Werber, Künstler geben ihrem Drang, sich gastronomisch zu verwirklichen, nicht ungern nach. Weitaus seltener kommt es indes vor, dass Protagonisten der Rotlicht-Branche sich für kulinarische Unternehmungen begeistern, bei denen das Servicepersonal bekleidet ist, so geschehen im Fall von Harald Hauke, der sich von sämtlichen seiner Gogo-Bars trennte und aus einer davon das "Mute" machte.

So weit, so verrucht, wobei eigentlich völlig irrelevant, da das "Mute" auch nicht im Geringsten irgendwie mit Rotlicht kokettiert, mehr mit Designerbars in London, Mailand oder Barcelona. Die Musik sei letztendlich der Beweggrund für das Lokal gewesen, so Geschäftsführer Sergio Cetin, denn sein Chef stehe nun mal sehr auf Musikstile wie Deep House und Groove, und da hätte es eine wirklich adäquate Location in Wien nun mal nicht gegeben. Und die Gogo-Bar in der Liechtensteinstraße sei ohnehin schon seit drei Jahren leer gestanden. 13 Monate hätte der Umbau gedauert und trotz mannigfaltiger handwerklicher Eigenleistungen von Hauke und Cetin ordentlich viel Geld gekostet, was man sofort zu glauben bereit ist, wenn man die großzügigen Glas-Metall-Holz-Konstruktionen sieht, den sich nach hinten verjüngenden und in einer beschwingten Schräge endenden Bar-Schlauch, die gestylten Toiletten, die offene Küche. Internationale Vorbilder gab es keine, vom "Kiang" am Rochusmarkt und vom "Ra'mien" hätte man sich aber schon ein wenig inspirieren lassen.

Apropos Küche, die spielt im "Mute" zwar nicht gerade eine determinierende Rolle, aber zumindest versuchte man, dem absolut kontemporären Design auch kulinarisch entgegenzukommen. Und das bedeutet heutzutage nun einmal, dass asiatische Suppen, Nudel- und Fischgerichte in die weißen Porzellan-Schalen kommen. Was im Falle der Tom Yang Gong (interessant: die thailändische Lemongrass-Fischsuppe schreibt sich überall anders) schon einmal höchst erfreulich ist, denn die Suppe ist schön scharf und intensiv, und mit dem aromatischen Zitronengras wird nicht gespart (€ 4,10). Ebenfalls nicht unwitzig ist eine so genannte Tofuknöderlsuppe, für deren Namen ein paar kleine, weiße und recht salzige Klößchen verantwortlich sind (€ 4,10). Die Tofu-Suppe mit Blattspinat und ein paar Stückchen eines Fisches namens Pangasius überrascht vorerst durch die Größe der Portion, dann durch ihre gallertige Konsistenz, ist letztendlich aber auch nicht schlecht (€ 6,20).

Die Spezialität des "Mute" sind neben den Cocktails, so wird einem erklärt, vor allem die hausgemachten Nudeln, die etwa in der Version mit den gebratenen Calamari-Ringerln, Kräutern und Spinat wirklich nett und vor allem überaus sättigend sind (€ 9). Und groß sind die Portionen dann auch bei den Fischgerichten wie Lachs Teriyaki (€ 9,90), dem Thunfischsteak mit Dosen-Champignons und Frühlingszwiebel (€ 13,10) oder den Garnelen mit Ananas und Paprika in einer seltsam süßen Sauce (€ 10,50), wobei man mit den Nudeln sicher die bessere Wahl trifft.

Die Auswahl der elektronischen Musik im "Mute" kann zwar nicht gerade als avantgardistisch bezeichnet werden, ist aber immerhin über jeden Zweifel erhaben, dazu die irisierenden Projektionen - ein Plätzchen mehr für die Wiener Cool-Community.(DER STANDARD/rondo/Florian Holzer/14/02/2003)

Mute
Liechtensteinstr. 104
1090 Wien

Tel.: 01/317 25 72
tägl. 17-2 Uhr
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