Aziz: "Bush ist ein neuer Hitler"

13. Februar 2003, 10:44
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Irakischer Vizepremier: US-Präsident ersetzt Regeln der Demokratie durch "Diktat des Stärksten"

Rom - Der irakische Vizepremier Tarek Aziz beschuldigt US-Präsident George W. Bush, "ein neuer Hitler" zu sein. "Bush baut die UNO ab, wie das 'Dritte Reich' in den 30er Jahren den Völkerbund zugrunde gerichtet hat", betonte Aziz in einem Interview mit der Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera" (Donnerstag-Ausgabe). "Bush verlangt, dass der UNO-Sicherheitsrat ihm schweigend gehorcht. Er ersetzt die Regeln der Demokratie durch das Diktat des Stärksten. Er sagt dem Sicherheitsrat: 'Gebt uns eine zweite UNO-Resolution, um den Irak zu attackieren, oder wir werden allein handeln'", so Aziz, der am Freitag im Vatikan den Papst treffen wird.

Aziz erklärte, er fürchte einen Krieg gegen die USA nicht. Er bete zwar für den Frieden, er sei jedoch zum Kampf bereit. "Der Irak zahlt als Erster den Preis der neuen, arroganten US-Übermacht in der Ära nach dem Kalten Krieg. Die EU muss begreifen, dass sie nach uns an der Reihe sein wird, daher sollte sie an unserer Seite stehen. Das merken wir zum Beispiel an der Haltung der USA, die hartnäckig verlangen, dass die NATO die Türkei verteidigt und Patriot-Raketen entsendet. Und warum? Wir haben keinerlei Absicht, die Türkei zu attackieren", so der Politiker.

Der Vizepremier bestritt, dass Bagdad Waffen verstecke. "In drei Monaten haben die Inspektoren keinerlei Beweis gefunden, dass wir Massenvernichtungswaffen besitzen. Sie würden auch nichts finden, wenn die Inspektionen zehn Jahre lang dauern sollten", betonte Aziz. Er lehnte die Entsendung von UNO-Friedens-Blauhelmen in den Irak ab: "Ich glaube nicht, dass die Mission der UNO-Inspektoren Soldaten benötigt. Es handelt sich um eine Entwaffnungs- und nicht um eine Besatzungsmission", meinte Aziz. UNO-Truppen im Irak wären nur eine "Einmischung" und eine Beeinträchtigung der irakischen Souveränität. Er schloss auch entschieden aus, dass der irakische Machthaber Saddam Hussein jemals ins Exil gehen könnte: "Unser Präsident wird um jeden Preis in seinem Land bleiben".

Der irakische Vizepremier, ein chaldäisch-katholischer Christ, lobte die Bemühungen des Vatikan für den Frieden. Er dementierte jedoch, dass er den Papst zu einer Reise nach Bagdad einladen werde. "Die Umstände garantieren nicht seine persönliche Sicherheit", so Aziz, der nach seinem Treffen mit Johannes Paul II. am Samstag nach Assisi reisen wird, um am Grab des Heiligen Franziskus für den Frieden zu beten. (APA)

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