JoWood hat noch ein Leben

13. Februar 2003, 19:57
10 Postings

Der angeknockte Spiele-Hersteller will nach dem Forderungs-Verzicht der Banken wieder in die Gewinnzone

Der steirische Computerspielehersteller JoWood hat im abgelaufenen Geschäftsjahr Verluste in Höhe des Umsatzes produziert. Das "Game over" konnte nur durch einen Forderungs- verzicht der Banken verhindert werden. Heuer sollen aber wieder Gewinne eingespielt werden.

***

Wien - JoWood ist 2002 nur knapp an der Insolvenz vorbeigeschrammt. Das Betriebsergebnis (Ebit) war mit minus 42,8 Mio. Euro fast ebenso groß wie der Umsatz, der um 4,4 Prozent auf 43,5 Mio. Euro zulegte. Gründe dafür seien massive Wertkorrekturen im dritten Quartal und die eingeleiteten Restrukturierungsmaßnahmen gewesen, sagte der neue Finanzvorstand Michael Pistauer im STANDARD-Gespräch.

Er räumte ein, dass es JoWood ohne die Nachlässe der Banken, die auf knapp 30 Prozent ihrer Forderungen verzichtet haben, "heute nicht mehr gäbe". Die durch die Finanzmisere notwendig gewordene Restrukturierung zeige nun aber erste Wirkungen.

Trotz eines Liquiditätsengpasses im vierten Quartal und der dadurch bedingten Geschäftsausfälle konnte das Ebit in den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres auf plus 96.000 Euro und das Ergebnis nach Minderheitsbeteiligungen auf 1,8 Mio. Euro gesteigert werden. "Wir sehen langsam Licht am Ende des Tunnels", so Pistauer.

Entscheidend sei nun, wie schnell das im Sanierungsplan vorgesehene neue Vertriebskonzept umgesetzt werden kann. Die Vertriebstöchter Dynamic Systems in Ungarn und Tschechien sollen verkauft werden, bei den anderen wie Dynamic Systems Österreich oder Leisuresoft in Deutschland prüfe man Partnerschaften. Die Gespräche mit möglichen Interessenten (Pistauer: "alle Großen der Branche wie Electronic Arts") sollten bereits "in den nächsten Wochen" konkrete Ergebnisse bringen.

JoWood selbst will sich auf das "Kerngeschäft", also Entwicklung, Marketing und Produktion von Computergames der Genres Rollen-, Strategie-und Actionspiele konzentrieren. Heuer würden 14 Titel veröffentlicht werden, darunter die Rollenspiele "Spell Force" oder "Böse Nachbarn".

Im Aufsichtsrat seien momentan keine personellen Änderungen geplant, reagierte Pistauer auf die Forderung des Anlageberaters Erhard Salchenegger nach einem Sitz für die Kleinaktionäre in diesem Gremium. (zwi/DER STANDARD Print-Ausgabe, 14.2.2003)

Link

JoWood

Share if you care.