Wienerberger mit Gewinn-Comeback

13. Februar 2003, 15:26
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Heimischer Ziegelhersteller übertrifft Erwartungen

Wien - Trotz anhaltend schlechter Baukonjunktur in Mitteleuropa hat der börsenotierte Wiener Baustoffkonzern Wienerberger im vergangenen Jahr die Gewinne des Rekordjahres 2000 leicht übertroffen und damit die Analysten überrascht. Mit einem (vorläufigen) Betriebsgewinn (EBIT) von 150,9 (66,2) Mio. Euro konnte das operative Ergebnis gegenüber 2001 mehr als verdoppelt werden. Der Umsatz stieg um 7 Prozent auf 1,65 (1,54) Mrd. Euro.

Bessere Preise

Als Hauptgründe für die deutliche Verbesserung gegenüber dem Sanierungsjahr 2001 nannte Wienerberger-Chef Wolfgang Reithofer am Donnerstag um 20 Prozent bessere Preise in Deutschland, stark gestiegene Ziegelerträge in Osteuropa sowie zusätzliche Gewinnbeiträge aus den im vergangenen Jahr erworbenen kontinentaleuropäischen Ziegelaktivitäten der britischen Hanson-Gruppe.

Prognosen schwierig

Für das laufende Jahr 2003 wollte sich Reithofer am Donnerstag noch nicht auf eine Prognose einlassen. Sowohl Umsatz als auch Ergebnisse sollten gesteigert werden, sagte Reithofer, ohne detaillierte Vorgaben zu nennen. In Mitteleuropa werde auch heuer der Wohnbau "unter Druck" bleiben, Westeuropa werde sich "stabil bis rückläufig" entwickeln, in den USA erwarte man sich ebenfalls eine "stabile Mengenentwicklung". In Osteuropa werde es ein "deutlich besseres" Wachstum geben als im Westen des Kontinents.

Das im vergangenen Jahr erzielte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) stieg laut den vorläufigen Bilanzzahlen um 36 Prozent auf 300,7 Mio. Euro. "Der Großteil der Verbesserung, 67 Mio. Euro, ist aus dem laufenden Geschäft gekommen, Hanson hat lediglich 12 Mio. Euro beigesteuert", erläuterte Reithofer. Deutschland habe sich beim Ergebnis trotz der nach wie vor schlechten Baukonjunktur "massiv verbessert".

BA-CA/Koramic könnten unter Sperrminorität gehen

Der Anteil der beiden Wienerberger-Hauptaktionäre Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) und Koramic könnte mittelfristig unterhalb die Sperrminorität von 25 Prozent fallen - zumindest rechnet das Management des Unternehmens damit, ließ Reithofer durchblicken. Während der belgische Eigentümer erklärt habe, seinen Anteil auf 10 Prozent halbieren zu wollen, sei es schwer vorstellbar, dass die BA-CA längerfristig "mit 15 Prozent dabei sein" wolle - obwohl es dort "sicher Stimmen geben wird, die Relation nicht ganz zu kappen". Den Syndikatsvertrag zwischen BA-CA und Koramic werde es wohl "in fünf Jahren nicht mehr geben", mutmaßte Reithofer auf Journalistenfragen.

"Kriegskasse"

Die "Kriegskasse" der Wienerberger für 2003 umfasst nach Aussagen des Managements 240 Mio. Euro, wovon 150 Mio. für Akquisitionen zur Verfügung stehen. Derzeit würden 15 solcher Projekte auf ihre Realisierbarkeit überprüft, sagte Reithofer. Durch diese Investitionen, vor allem aber durch den Hälfte-Erwerb der Koramic-Dachsparte, wird sich nach früheren Angaben der Verschuldungsgrad des Konzerns (Gearing) bis Jahresende von derzeit 70 auf 90 bis 100 Prozent erhöhen. (APA)

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