Sehr rein und schön, aber nicht sauber

12. Februar 2003, 19:11
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In St. Moritz sind offizielle und inoffizielle Sponsoren bunt gemischt, und im Gegensatz zum Fußball sind die Skifahrer individuell gebrandet

Viel wird im Wanderzirkus, der sich alle zwei Jahre für zwei Wochen an einem Ort niederlässt, übers Marketing geredet, weshalb sich ein Vergleich aufdrängt zwischen Ski und Fußball. Die FIS, der Internationale Skiverband, veranstaltet die Ski-WM, die FIFA, der internationale Fußballverband, sorgt alle vier Jahre für die Fußball-WM. Die weltweite Bedeutung der beiden Ereignisse ist naturgemäß höchst unterschiedlich, gekickt wird überall, dennoch könnte der Skiverband einige Anleihen nehmen.

Graubünden, das Land der Steinböcke, der Schweiz größter Kanton, dessen wichtigster Wirtschaftsfaktor der Tourismus ist, sponsert die Ski-WM in St. Moritz. Die Tirol-Werbung ist omnipräsent in St. Moritz, Österreich sowieso, und das nicht bloß durch seine erfolgreichen Skirennfahrer. Gösser ist drinnen, Carlsberg ist draußen.

Schön für Österreich

Im Österreich-Haus der Wirtschaftskammer werden Kontakte geknüpft, ins Österreich-Haus schauen Schweizer, Deutsche, Italiener und so weiter, um sich von der österreichischen Kochkunst zu überzeugen, von der Qualität des Biers, des Weins und des edlen Brandes, der Freundlichkeit und Kompetenz der in Österreich ausgebildeten Tourismusfachkräfte, und sie erhalten Botschaften aus allerlei Wirtschaftsbranchen. Schön für Österreich. Andere Länder sind nachgezogen.

Audi sponsert die Ski-WM, auch Volvos, um nur ein Beispiel zu nennen, fahren mit der WM werbend durch St. Moritz. Es gibt also offizielle Sponsoren und inoffizielle Sponsoren. Im Jargon sagt man, dass St. Moritz, welches zwar täglich geputzt wird, nicht sauber ist.

"Clean Stadia"

Die FIFA verlangt "clean stadia", und damit ist nicht nur das Fußballstadion gemeint, sondern auch seine großräumige Umgebung. Das jeweilige WM-OK verpflichtet sich per Vertrag, dafür zu sorgen. Die FIFA pflegt dann Patrouillen auszusenden, die darauf schauen, was die Rechtsabteilung zuvor rechtlich abgesichert hat. Es dürfen nur offizielle Produkte verkauft werden und keine Imitate, Konterfeis genannt.

Ein weiterer Unterschied: Fußballspieler dürfen während des WM-Kicks bloß den Schneider ihrer Kleider der Welt zeigen. Skifahrer sind bei ihrer WM-Arbeit individuell gebrandet. In der Vielzahl der Botschaften ist die einzelne dadurch viel schwieriger an den Mann zu bringen. (DER STANDARD, Printausgabe, Donnerstag, 13. Februar 2003, Benno Zelsacher aus St. Moritz)

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