Der Eichmeister - von RAU

12. Februar 2003, 18:58
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Gerhard Roth hat das Goldene Ehrenzeichen der Stadt Wien erhalten. Es ist eine ziemliche Pletschn, wie der Wiener sagt, das heißt, irgendwie auftrumpfend, wie dieser bedeutende Schriftsteller gerade nicht ist. Am Rande der Verleihung im Roten Salon des Wiener Rathauses (eine kleine Plakette verweist darauf, dass hier im April 1945 - draußen kämpfte noch die SS mit den Russen - von ein paar Patrioten die Zweite Republik gegründet wurde), also da gab es die Gespräche, die in diesen Tagen überall geführt werden, wo die Funktionseliten aufeinander treffen: Glauben Sie, dass der Schüssel wirklich mit den Grünen . . .? Der spielt doch nur auf Minderheitsregierung mit Duldung der FPÖ und dann auf Neuwahlen! Also, ich hab' aus absolut zuverlässiger Quelle . . . Und plötzlich taucht der Gedanke auf: Wurscht. Oder: Nicht ganz wurscht. Aber welche Regierungsform auch immer - wird sie etwas grundsätzlich ändern an der österreichischen Befindlichkeit, wie sie Gerhard Roth, der "Eichmeister der österreichischen Befindlichkeit" (André Heller in seiner Laudatio) schildert? Aber, und das ist der nächste Gedanke, auch das ist nicht so wichtig, solange solche wie Gerhard Roth den Maßstab liefern.

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