Transit-Tatsachen

12. Februar 2003, 19:13
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Maximalforderungen haben keine Zukunft - Für die Österreicher heißt es nun Zähne zusammenbeißen - Kommentar von Jörg Wojahn

Die Zähne zusammenbeißen - und viele Gespräche führen. So muss die österreichische Reaktion auf das Transitdebakel im Europäischen Parlament aussehen. Nachdem 430 EU-Abgeordnete am Mittwoch auch dem letzten politischen Träumer in Österreich klar gemacht haben, dass Maximalforderungen keine Zukunft haben, muss jetzt die Lobbyarbeit starten.

Es muss eine Lobbyarbeit sein, die die Interessen von möglichst vielen Verbündeten - in allen "sensiblen Zonen" Europas - anspricht. Wenn die 430 Parlamentarier, die für eine größere Liberalisierung des Transits sind, den Eindruck behalten, da wolle nur ein Land egoistisch seine Privilegien - und der geltende Transitvertrag ist ein Privileg - verteidigen, wird es ab 1. 1. 2004 freie Fahrt für fast alle Frächter geben. Zu verdanken hätten die österreichischen Alpenbewohner das der Transportlobby - der einheimischen genauso wie der ausländischen.

Österreichs Politiker sollten einkalkulieren, dass sich im schlimmsten Fall nicht mehr erreichen lässt als im EU-Parlamentstext vom Mittwoch. Ihr Lobbying muss daher auch in eine andere Richtung gehen: Unterstützung sammeln für eine umweltfreundliche Wegekostenrichtlinie für alle Europäer.

Die vom Schwerverkehr Betroffenen in den Alpentälern muss und darf das alles nicht von - friedlichen und fantasievollen - Protesten abhalten. Wenn sie deutlich machen, dass auch österreichische Lkw sie in ihrer Gesundheit schädigen und in ihrer Ruhe stören, werden sie in ganz Europa auf Verständnis treffen.

Doch Österreichs Bürger und Politiker müssen sich immer eine einfache Tatsache klar machen: Die zentrale Lage ihres Landes in Europa bringt in erster Linie ökonomische Vorteile. Dass diejenigen, die geografisch nicht so bevorzugt sind, durch diese Mitte fahren müssen, ist leider die unvermeidbare Kehrseite. (DER STANDARD, Printausgabe, 13.2.2003)

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