Ein Depot-Besuch ohne Scheckbuch

28. Februar 2003, 16:24
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Triste Zukunft für die Diskurs-Institution

Wien - Der Fortbestand des Depots, 1994 von Ex-Bundeskunstkuratorin Stella Rollig gegründet, war zwar schon mehrfach gefährdet, doch derart ernst wie jetzt schien die Situation noch nie: Der von Wolfgang Zinggl geleitete Raum für Diskurs und Theorie in der Breite Gasse 3 existiert nur mehr dank Solidaritätsbekundungen. Denn es gibt bis dato keine Subventionszusagen. Weder vom Bund noch von der Stadt Wien. Die fünf Mitarbeiter mussten daher gekündigt werden. Der Vermieter verzichtet bis März auf sein Geld. Und das Programm bestreiten diverse Organisationen und Veranstalter.

Am Dienstag z.B. lud die kulturpolitische Forschungsgesellschaft Fokus zu einer Diskussion über den Karls-platz ein, der sich eher als "Verkehrshölle" denn als "Kunstplatz" präsentiert - und dringend eines stadtplanerischen Konzepts bedarf. Das Architektenteam Jabornegg/ Palffy hatte, wie berichtet, ein solches erstellt. Zusammen mit einer unterirdischen Erweiterung des Künstlerhauses, die vergleichsweise kostengünstig zu realisieren wäre, weil es aufgrund des U-Bahn-Baus imposante Hohlräume gibt. Und Wolfgang Kos, designierter Direktor des Historischen Museums, würde diese gerne nutzen.

Doch Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SP) konnte wiederum nur sein Wohlwollen gegenüber all den Plänen zum Ausdruck bringen: Ja zu einem "gescheiten Leitsystem", Ja zu einer Vernetzung der Kulturinstitutionen, Ja zu einer Verlegung der Straßenbahngeleise. Martin Fritz, Kurator und Publizist, brachte es genervt wie enttäuscht auf den Punkt: "Wir spielen ja. Aber dafür braucht es Geld."

Und dieses fehlt. Mailath hatte bei seinem Gang in die Höhle des Zingglschen Löwen "kein Scheckbuch" dabei: "Wir müssen uns überlegen, ob wir überall dort einspringen, wo der Bund als Subventionsgeber ausfällt." Zudem: "Wir müssen auch neue Initiativen unterstützen." Die Hoffnungen auf eine Rettung des Depots schwinden zusehens. (DER STANDARD, Printausgabe, 13.2.2003)

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