"The Ring": Video in der Endlosschleife

23. Juli 2004, 13:10
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Gore Verbinskis eher unsubtiles US-Remake eines sensationell erfolgreichen japanischen Geisterfilmes

Hideo Nakatas Horrorfilm Ringu war in seiner Heimat Japan ein Sensationserfolg, dem nicht nur mehrere Sequels, sondern eine ganze Welle von "Geisterfilmen" nachfolgten. Eine geschickte Kombination von Altem und Neuem: Im Reproduktionsmedium - einem Video - nistet sich ein (kulturell tradierter) Geist ein, der wiederum einem Teenager bis aufs Haar gleicht ...

In Ring / The Ring, dem US-Remake von Gore Verbinski, ist die erste Referenz mit Scream zwar hausgemacht, danach schwenkt es jedoch auf das behäbige Tempo des Originals ein: Naomi Watts spielt die in mysteriösen Mordfällen ermittelnde Journalistin, an ihrer Seite ein The Sixth Sense-kompatibler Sohn, der mit dem gesuchten Mädchen über Bilder kommuniziert. Der slackerhafte Videotüftler (Martin Henderson) macht schließlich die Familie komplett.

Verbinskis Regie fehlt es nicht nur an Ideen, die Nakatas Version erweiterten, er zerstört auch die Integrität der Fabel, indem er sie durch unstimmige Details ergänzt oder variiert: Den Hintergrund der Geschichte bilden hier etwa Geschehnisse auf einer Insel, die aussehen, als wären sie im 19. Jahrhundert passiert, dann aber nur ein paar Jahre zurückliegen.

Abgesehen davon fehlt Ring - und das wiegt bei einem Schocker wohl noch mehr - in entscheidenden Szenen die Subtilität: Platte Symbolik beherrscht das mörderische Video, das US-Kritiker an eines der Band Nine Inch Nails erinnerte; und das panikgeweitete Auge Sadakos weicht einer lachhaften Gummifratze. (DER STANDARD, Printausgabe, 14.2.2003)

Von
Dominik Kamalzadeh

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uip.de/ring

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