Aristokratisches Ausrangieren

12. Februar 2003, 20:00
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"Of Royal and noble Descent" bei Sotheby's Amsterdam

Amsterdam - Adelsfetischisten aufgepasst! Für drei Tage avanciert Amsterdam kommende Woche zum Mekka blaublütiger Götzen. Sotheby's streut dann Hausrat, Möbel, Gemälde und Kunsthandwerk europäischer Adelsfamilien und ehemaliger Königshäuser unter die Fangemeinde derselbigen. Der erwartete Umsatz für die fast 1200 Objekte liegt bei mehr als 3,5 Millionen Euro, wobei die Taxen der einzelnen Losnummern zwischen 120 (drei Porzellantellerchen mit dem Monogramm der Königin Olga von Württemberg) und 80.000 Euro (Anton Raphael Mengs Anbetung der Hirten) liegen.

Die Abschaffung der Monarchien in Deutschland, Österreich und Russland während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sorgten u.a. dafür, dass auf Speichern gelagerte Objekte schlichtweg in Vergessenheit gerieten. Spätestens seit dem internationalen Run auf fürstliche Auktionen, wie jener der Thurn & Taxis, gilt aristokratisches Ausrangieren nahezu als "dernier cri".

Und so zeichnet sich die von Sotheby's von 18. bis 20. Februar angesetzte Auktion durch Kunstgegenstände von namhafter Provenienz aus. Aus dem Besitz der Fürsten von und zu Liechtenstein - hier wird Budget für die 2004 zu eröffnende barocke Erlebniswelt in Wien benötigt - stammen etwa drei österreichische Wappen, die für den Rufpreis von 2000 Euro das Bieterspektakel eröffnen. Ein Augsburger Kabinettschrank (15.000-25.000 €), schmückte ursprünglich einen der Räume des Liechtensteinschen Hauptlandsitzes, des in Mähren gelegenen Schlosses Feldsberg.

Deutlich günstiger ist ein Wahlnuss-Armsessel im Renaissancestil, gefertigt im 19. Jahrhundert, mit 400 bis 700 Euro veranschlagt. Kurioser mutet die volkstümliche Bemalung eines 1819 in der Schweiz gefertigten Kiefern-Bettes an. Neben der Inschrift "Gehört der Jungfer Anne Weis", finden sich Szenen mit spielenden Kinder sowie eine Tavernenszene, bei der Soldaten den Wirt und seine Ehefrau schikanieren. Kostenpunkt: zwischen 5000 und 8000 Euro.

Ein simples Taschenmesser, allerdings mit Goldauflagen dekoriert, gehörte ebenso zur Habe eines rheinischen Edelmannes wie acht Ostereier aus Berliner Porzellan. Passend zum ursprünglich heidnischen Fest der Ostara (Göttin des Frühlings und der Morgendämmerung), kann gleich das 2003er-Dessin für einen herrschaftlichen Osterbuschen angedacht werden. Kostenpunkt: läppische 1000 bis 2000 Euro pro Stück.
(DER STANDARD, Printausgabe, 13.2.2003)

Von
Olga Kronsteiner

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sothebys.com

18.-20. 2.

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