Neue Fetische für den Markt

12. Februar 2003, 19:48
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Tribal Art, Stammeskunst, afrikanische Kunst: Schlagwörter für einen neuen Sammeltrend

Tribal Art, Stammeskunst, afrikanische Kunst: Unter diesen Schlagwörtern gehen die deutschen Auktionshäuser Quittenbaum (Hamburg) und Lempertz (Köln, Brüssel) seit neuestem wieder auf den Markt. Sie wollen das aufstrebende, ihrer Meinung nach immer beliebtere Sammelgebiet vor allem in Deutschland etablieren.


Hamburg/Brüssel - Das waren noch Zeiten, da hatte Ellen Piper noch nicht den Namen Quittenbaum als Ehe-Appendix, da leitete sie ab 1956 eine Galerie für afrikanische Kunst. 1959 führte sie eine Reise quer durch Schwarzafrika, ihre Musikaufnahmen führte 1960 das Festival Donaueschingen vor.

Ellen Piper-Quittenbaum steht nun dem deutschen Familienbetriebs-Auktionshaus Quittenbaum (Hamburg, München) als Expertin für afrikanische Kunst zur Verfügung, mit dementsprechend viel Herzblut, wie sie betont. Für den 22. Februar ist die zweite jährliche Sonderauktion mit historischer afrikanischer Kunst angesetzt. Das Interesse für das - vor allem in Benelux-Ländern und Frankreich geschätzte - Sammelgebiet in Deutschland, geht man von Katalogbestellungen aus, sei enorm, so Piper. Österreicher interessierten sich dafür eher "in Maßen".

Das Problem in Deutschland seien bis dato "die Billigauktionen und die Flughafenware" gewesen, meint die Expertin. Große Namen, die enorme Preise bringen, hat sie nicht im Programm, aber "gute internationale Mittellage". Aus der Sammlung ihres Großvater Julius Konietzko kommt ein 1933 erworbener Hocker der Aschanti zur Auktion, Schätzpreis 5000 Euro. Als herausragendste wie teuerste Arbeit steht eine von den Aschanti stammende Goldstaubdose aus getriebenem Messingblech zum Verkauf (28.000 €). Aus einer belgischen Sammlung kommt eine zwei Meter hohe Vogelskulptur der Senufo, Elfenbeinküste. Eine geschnitzte Fetischfigur der Songe mit einem am Kopf getragenen Horn und Glasperlenschmuck soll 7500 Euro bringen. Denselben Preis erwartet man sich für einen Altarpfahl der Yoruba, welcher 1958 laut Auktionshaus für eine deutsche Privatsammlung in Nigeria erworben wurde. Via E-Mail kann bei dieser Auktion auch online mitgeboten werden, im Sinne eines Kaufauftrags. Um aus dem Onlinekatalog auswählen zu können, muss man sich allerdings registrieren.

"Tribal Art - Afrikanische Kunst" nennt sich auch die (wieder) neue Auktion des Kölner Kunsthauses Lempertz, welche in Brüssel im April stattfinden wird und künftig im Programm des Hauses integriert sein wird. Brüssel deshalb, weil man dort auch über eine Dependance verfügt und die Sache internationaler anlegen will. Von 1991 bis 1998 hatte man Tribal-Art-Auktionen abgehalten, dann war laut dem jetzigen Experten, Michael Vignold, die Expertin nicht mehr zur Verfügung gestanden. Der Kunsthistoriker konstatiert wie Piper ein "wachsendes Interesse" des Kunstmarktes an der Stammeskunst, das Maßgebliche sei die Qualität. Inhaltlich will Vignold die Lücke schließen zwischen den hochklassigen Auktionen von Christie's und Sotheby's in Paris und New York. 200 Objekte werden versteigert, der Katalog dazu erscheint Ende März. (DER STANDARD, Printausgabe, 13.2.2003)

Von Doris Krumpl

Termine

Quittenbaum am 22. Februar,
Tel.: (0049/40) 866 90 53;

Kunsthaus Lempertz,
Tel. (0049/221) 92 57 29-0

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