Porr: Neuer Vorstand, neuer Aufsichtsrat

12. Februar 2003, 18:07
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Unstimmigkeiten unter den Eigentümern

Wien - In Österreichs ältestem Baukonzern, Porr, steht eine Vorstandserweiterung an. Statt bisher zwei sollen künftig fünf Vorstände die Geschicke des Konzerns leiten. Generaldirektor Horst Pöchhacker soll die neue Mannschaft noch einige Jahre lang begleiten.

Eine formelle Bestellung steht noch aus. Mit ein Grund für das Gerangel der Haupteigentümer (Bank Austria, Wiener Städtische und der Unternehmer Klaus Ortner) rund um die Bestellung dürften die hohen stillen Reserven (Immobilien, Steinbrüche, Kiesgruben) der Porr sein.

Finanzchef in Pension

Fix ist, dass der bisherige Finanzchef Manfred Kogler per Ende März in Pension geht. Ihm könnte der amtierende Vorstand der Porr-Tochter Teerag Asdag, Helmut Mayer, folgen. Gute Chancen, in den Konzernvorstand aufzurücken, werden auch Wolfgang Hesoun eingeräumt. Hesoun, Neffe des früheren SP-Sozialministers Josef Hesoun, ist derzeit Vorstand der Tochterfirma Porr-Technobau und Umwelt. Ihm wird große Kompetenz in Sachen Infrastruktur bescheinigt.

Aus dem Einflussbereich der Bank Austria dürfte Peter Weber den Sprung in den Porr-Vorstand schaffen. Weber ist derzeit Aufsichtsrat in der Porr und ihrer Immobilientochter UBM. Hauptberuflich ist Weber Chef der Bank Austria Immobilienstiftung B.A.I. Die Bank Austria ist über ihre Stiftung B&C Holding mit 37 Prozent größter Einzelaktionär des Baukonzerns, der im Vorjahr mit 10.000 Mitarbeitern 1,8 Mrd. Euro umsetzte. Die Städtische hält 23 Prozent, Ortner 27 Prozent, der Rest ist Streubesitz.

Aufsichtsratsvorsitz offen

Wegen der Uneinigkeit der Eigentümer ist derzeit auch noch ungeklärt, wer Wiens Ex-Vizebürgermeister Hans Mayr (74) an der Spitze des Porr-Aufsichtsrates folgt. Gute Chancen hat der Geschäftsführer der B+C Holding, Karl Schmutzer, der bereits jetzt im Kontrollgremium sitzt. Für Schmutzer wäre es nach Lenzing der zweite Aufsichtsratsvorsitz bei einem börsennotierten Unternehmen im Einflussbereich der Bank Austria. Damit könnte Schmutzer zu einem der einflussreichsten Manager werden. Ambitionen auf den Vorsitz werden aber auch Wiens Wirtschaftskammerchef Walter Nettig nachgesagt, der derzeit einfaches Aufsichtsratsmitglied ist.

Unstimmigkeiten unter den Eigentümern hat die Porr bereits Anfang der 90er-Jahre miterleben müssen. Damals hat sich eine Gruppe reicher Familien unter der Führung des jetzigen Ehemanns der Prinzessin Caroline von Monaco, Prinz Ernst August von Hannover, von ihren Porr-Aktien getrennt. An ihrer Stelle trat Raiffeisen und die Bundesländer Versicherung, die Mitte der 90er-Jahre wieder ausstiegen und ihre Gunst der Bauholding Strabag von Hans-Peter Haselsteiner gewährten. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Printausgabe 13.2.2003)

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