Landwirtschaft überschwemmt Great-Barrier-Riff mit Schlamm

12. Februar 2003, 19:45
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Auswirkungen noch ungeklärt

London - Die Besiedlung Australiens durch die Europäer hat das Great-Barrier-Riff förmlich mit Schlamm überschwemmt. Nachdem die Einwanderer vor fast 150 Jahren in Ost-Australien mit Ackerbau und Viehzucht begannen, spülten die Flüsse fünf bis zehn Mal so viel Sedimente auf das berühmte Korallenriff wie zuvor.

Das berichten Malcolm McCulloch von der Australischen Nationaluniversität in Canberra und seine Mitarbeiter in der britischen Zeitschrift "Nature". Die genauen Auswirkungen der zusätzlichen Schlammfracht seien zwar noch nicht geklärt, die Beobachtung trage jedoch zur Sorge um das Riff bei.

Bariumgehalt angestiegen

Die Forscher berechneten die abgelagerten Fluss-Sedimente aus dem Barium-Anteil im Kalkskelett von Korallen. Sie untersuchten solche im Inneren Barrier-Riff, das dem australischen Festland gegenüberliegt. Barium wird vor allem durch Flüsse von Land her zu den Korallen transportiert. Da die Korallen ihre Skelette je nach Temperatur ungleichmäßig aufbauen, war es den Forschern möglich, den Verlauf der Belastung ähnlich wie bei Jahresringen der Bäume von etwa 1750 bis 1986 zu verfolgen.

Die Messwerte zeigten, dass der Bariumgehalt als Anzeiger für Schwebstoffe nach der zunehmenden Besiedlung der Gegend um 1860 um etwa das Fünf- bis Zehnfache anstieg. Feine Ablagerungen auf den Korallen könnten jedoch die Photosynthese der mit ihnen in Symbiose lebenden Algen stören und so das Wachstum der Riffe beeinträchtigen, berichten McCulloch und Kollegen. Bisher war es allerdings schwierig, das Ausmaß dieser Belastung zu bestimmen. Die australischen Wissenschaftler nutzten jetzt erstmal die Korallen selbst als "Archiv".

Mit weiter steigender Besiedlung könne die Belastung noch zunehmen, kommentiert Julia Cole von der US-Universität Tucson in "Nature". "Schwebstoffe könnten zusätzlich zu Faktoren wie der steigender Temperaturen und CO2-Gehalt des Wassers Korallenriffe noch empfindlicher machen." (APA/dpa)

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Nature

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