Stromversorgung droht immer öfters auszufallen

12. Februar 2003, 18:17
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Wegen fehlender Investitionen in Leitungsnetze

Wien - Die Stromausfälle kurz vor Weihnachten im Raum Graz seien ein Vorgeschmack auf das, was in vielen Regionen Österreichs droht: eine deutliche Zunahme der Netzabschaltungen - mit gravierenden Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort.

Die Ursachen für den drohenden Blackout sehen Günther Brauner und Reinhard Haas von der Technischen Universität Wien vor allem in den seit der Liberalisierung des Strommarktes stark zurückgegangenen Investitionen in das Leitungsnetz. "Es werden nur noch 30 Prozent von dem investiert, was früher üblich war", sagte Brauner am Rande einer vom Institut für Elektrische Anlagen und Energiewirtschaft der TU Wien mitorganisierten Energiewirtschaftstagung. Die Lebensdauer von Leitungen betrage 40 bis 60 Jahre, bei Trafostationen würden verschiedene Komponenten bereits nach 20 Jahren den Geist aufgeben. "Da kann man sich ausrechnen, was passiert, wenn nicht ordentlich investiert wird", sagte Brauner.

Dafür müsse aber der Gesetzgeber sorgen oder der Regulator im Auftrag des Gesetzgebers. Bei der Formulierung des Stromwirtschaftsgesetzes sei die Gewährleistung der Versorgungssicherheit vergessen worden, das sei nun dringend nachzuholen.

Zwei Möglichkeiten

Brauner und Haas sehen zwei Möglichkeiten, einem drohenden Blackout zu entgehen: einerseits durch Dezentralisierung der Stromerzeugung, andererseits durch Forcierung des internationalen Stromaustauschs. Dann sei es aber auch erforderlich, die vor allem von Umweltschützern bekämpften "Stromautobahnen" auszubauen.

Gleichzeitig sollte auch der Stromverbrauch gedrosselt werden, was aber wohl nur durch eine Erhöhung des Strompreises möglich sei. Haas: "Strom ist viel zu billig und sollte teurer werden." (stro, DER STANDARD, Printausgabe 13.2.2003)

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