WAZ droht: Christoph Dichand abberufen

12. Februar 2003, 14:31
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Im "Krone"-Krieg holt die WAZ gegen Chefredakteur Christoph Dichand und Vater Hans aus: Der Junior habe gegen seine Pflichten gehandelt, die vereinbarte Blattlinie verletzt ...

... Das Vertrauen in ihn sei "erheblich erschüttert", heißt es in einem dem STANDARD vorliegenden Brief.

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"Meine Mandanten behalten es sich vor, (...) Schritte zur Abberufung von Dr. Christoph Dichand als Chefredakteur aus wichtigem Grund einzuleiten": Das schreibt WAZ-Anwalt Daniel Charim an den Rechtsvertreter von Hans Dichand, dem die andere Hälfte der "Krone" gehört. Charim prüft, ob die jüngsten Erklärungen von Dichand jun. eine Abberufung rechtfertigen. Aus ihnen ergebe sich, dass Dichand jr. "offenbar nicht befähigt - oder nicht willens - ist, seine Funktion als Chefredakteur der "Kronen Zeitung" in Unabhängigkeit von den Interessen und den Wünschen eines der Mitgesellschafter, nämlich seines Vaters, zu führen." Anlass: Der Junior forderte Hälfteeigentümer WAZ auf, ihren Wiener Statthalter Friedrich Dragon zurückzupfeifen. Der hatte angekündigt, inhaltliche Fragen aufzuwerfen und Layout wie Marketing kritisiert. Der Brief von Dichand jr. ging an Mitarbeiter und Medien.

Die Vorwürfe im Detail: Christoph Dichand habe Vereinbarungen zwischen "Krone"-Gesellschaftern veröffentlicht, zu denen er selbst nicht zähle. Zudem bei seinen Kommentaren zu Dragon und Aufforderungen an die WAZ "einseitig den Standpunkt" seines Vaters übernommen.

Damit habe Christoph Dichand "seinen Pflichten als Angestellter der Krone-Verlag GesmbH&Co KG zuwider gehandelt", insbesondere der Treuepflicht, die ihn "gegenüber der Gesellschaft - und nicht gegenüber den Interessen lediglich eines der Mitgesellschafter - trifft". Das Vertrauen darauf sei nun „erheblich erschüttert“.

Schon abgemahnt?

Für leitende Angestellte gelte ein "strenger Maßstab". Als Sohn eines Gesellschafters wäre Dichand jr. "verpflichtet gewesen, auch nur den Anschein einer Parteinahme zugunsten der Interessen seines Vaters zu vermeiden". Charim lässt namens der WAZ anfragen, ob Dichand seinem Sohn schon 2die Weisung erteilt hat", sich öffentlicher Erklärungen über Auseinandersetzungen zwischen Gesellschaftern und der Parteinahme zu enthalten. Und: Hat er Christoph Dichand wegen „Verletzung seiner Dienstpflichten bereits abgemahnt“? Wenn nein, möge Dichand sen. "dafür umgehend Sorge tragen". Aber es kommt noch etwas dicker. Sei die Krone doch "in voller Unabhängigkeit von (...) Interessengruppen zu führen". So beschreibt der "Rahmenvertrag" über den WAZ-Einstieg aus dem Jahr 1987 die "politische Richtung", zu ändern nur durch einstimmigen Beschluss der Gesellschafter.

"Prinzipien verletzt"

Für WAZ-Anwalt Charim ist nun "offenkundig": Christoph Dichand habe als Chefredakteur dieser Vorgabe "zuwidergehandelt", weil er "Unabhängigkeit von den Interessen seines Vaters" vermissen ließ. Indem er alleine dessen Sicht vom Hinauswurf Dragons wiedergab und jene von WAZ oder Dragon selbst verschwieg, habe er "auch die ,Prinzipien wahrheitsgetreuer (...) Information der Öffentlichkeit verletzt". Die stehen ebenfalls im Rahmenvertrag als "politische Richtung". Umgehend möge Dichand sen. "sorgen", dass sich sein Sohn an diese Grundsätze hält.

Noch eines will Charim erfahren: Wusste der Senior von der Erklärung oder hat er sie gar veranlasst? Daraus würden sich nämlich auch für diesen "gegebenenfalls rechtliche Konsequenzen ergeben". Von Hans Dichand war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. (Harald Fidler/DER STANDARD; Printausgabe, 13.2.2003)

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