Orange statt Gelb: USA im Alarmzustand

12. Februar 2003, 19:38
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Klebebänder und Plastikdecken ausverkauft - Abfuhr im Kongress für Spitzelprogramm TIA

Bereits am vergangenen Freitag war die Terroralarmstufe erstmals seit dem Jahrestag des 11. 9. im vergangenen Jahr von gelb ("erhöht") auf orange ("hoch") hinaufgesetzt worden. Am Dienstag stießen die Leiter der wichtigsten US-Geheimdienste nach: CIA-Direktor George Tenet und FBI-Direktor Robert Mueller sagten vor einem Senatskomitee aus, es handle sich um die "spezifischste Terrorwarnung, die man bisher gesehen habe".

Der Leiter des neuen Ministeriums für Heimatschutz, Tom Ridge, und Justizminister John Ashcroft erklärten, sie befänden sich im Besitz spezifischer Informationen über neue Terroraktivitäten. Einzelheiten nannten sie keine. Ein Anschlag auf Einrichtungen "in den USA und auf der arabischen Halbinsel" könne bereits diese Woche erfolgen.

Die Amerikaner waren bereits vor Tagen aufgefordert worden, für den Ernstfall einer biologischen oder chemischen Attacke vorzusorgen, mit dem Resultat, dass in den einschlägigen Geschäften kaum mehr Klebebänder und Plastikdecken zum Abdichten von Zimmern zu finden sind. Gleichzeitig hieß es jedoch auch, die Bevölkerung solle ihren normalen Geschäften nachgehen und Überreaktionen vermeiden.

Die Mitglieder der Regierung und der Geheimdienste stecken in einer Zwickmühle: Zum einen wurde ihnen in den Medien vorgeworfen, die erhöhte Alarmstufe habe nicht das Geringste mit der Irakkrise zu tun, sondern beruhe nur auf einem zeitlichen Zusammenhang mit der Hajj, der muslimischen Pilgerfahrt. Andererseits will das Weiße Haus nahezu um jeden Preis eine Verbindung zwischen Terrorgruppen wie Al-Kaida und dem Irak beweisen, um den Amerikanern die Kriegspläne plausibel zu machen.

Indes erlitt Bush auch eine Niederlage im Kongress: Die New York Times berichtet, dass das vom Pentagon propagierte "Total Information Awareness" Programm (TIA), das der lückenlosen Überwachung von E-Mails und Internetseiten zur Identifizierung von Terroristen hätte dienen sollen, von Repräsentantenhaus und Senat gestoppt wurde. Allerdings könnte Bush geltend machen, die Gefährdung der nationalen Sicherheit mache es nötig, diese Entscheidung aufheben. (DER STANDARD, Printausgabe, 13.2.2003)

Susi Schneider aus New York
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    In den USA herrscht wieder oranger Terror-Alarm

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