Impfschutz gegen Zecken wirkt länger als gedacht

12. Februar 2003, 13:57
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Österreich hat die Plagegeister beispielhaft im Griff

Wien - Heiße Nachricht von der "Zecken-Front": Laut Rohdaten einer groß angelegten Studie des Wiener Tropen- und Reisemediziners Univ.-Prof. Dr. Herwig Kollaritsch wirkt die FSME-Impfung offenbar wesentlich länger als bisher angenommen. Das dürfte schon in absehbarer zu neuen Empfehlungen führen, wurde am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Wien erklärt.

Auch wenn momentan die Influenza da ist, die Zecken samt der gefährlichen Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) kommen ganz bestimmt. Am Mittwoch präsentierte Vakzinhersteller Chiron Behring in Wien neueste Erkenntnisse.

Zeckenland

"Österreich wird in Europa als das Zeckenland bezeichnet. Die Zecken ruhen nicht. In Russland gab es 2001 mehr als 6.000 Erkrankungen. In Deutschland waren es 254 nach 155 im Jahr 2000. Sobald man aufhört zu impfen, steigen die Zahlen wieder."

In Deutschland hatte es vor zwei bis drei Jahren heftige Diskussionen rund um die FSME gegeben, was zu weniger Immunisierungen führte. In Europa ebenfalls besonders betroffen: das Baltikum (Lettland: 1.400 FSME-Erkrankungen). In einem Gebiet mit 20.000 Einwohnern in Finnland gab es allein 39 Fälle in einem Jahr. Auch aus Dalmatien, der Toskana und Venetien werden immer wieder Erkrankungen gemeldet.

Letztes Jahr nur sechzig Fälle

Österreich ist - mit Einschränkungen - das Paradebeispiel für ein Land, das die FSME-Problematik durch die Impfungen weitgehend im Griff hat. Kollaritsch: "Da darf sich Österreich beweihräuchern. Im Jahr 2002 hatten wir 60 Fälle. (...) Das ist ein halber Erfolg. Wir müssten eigentlich auf eine Fallzahl von weniger als fünfzehn kommen. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. Aber wir haben sie österreichisch etwas schlampig gemacht."

Die meisten FSME-Erkrankungen werden in Österreich bei älteren Menschen registriert. Sie sind noch zu selten geschützt. Fast keine Erkrankungen gibt es mehr bei Kindern. Doch auch hier muss der Impfschutz aufrechterhalten werden.

Hundert Todesfälle verhindert

Kollaritsch präsentierte eine Schätzung, was die FSME-Impfung Österreich in den zwanzig Jahren zwischen 1981 und 2001 gebracht hat: "Ohne Impfung hätte es unter sehr vorsichtigen Annahmen 13.540 Fälle gegeben. Berichtet wurde von 3.443 Erkrankungen. Somit wurden durch die Impfung 10.097 verhindert. Das bedeutet bei einem Todesrisiko von etwa ein Prozent auch die Verhinderung von rund 100 Todesfällen." (APA)

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