2002 war fürchterlich

13. Februar 2003, 09:18
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Reale Umsatzrückgänge in allen vier Quartalen - Nach Krisenjahr verhaltene Zuversicht unter den heimischen Einzelhändlern

Wien - "Mit Hoffnung erwartet, mit Sorge abgeschlossen" habe der Handel das Jahr 2002, formuliert Erich Lemler, Spartenobmann in Wirtschaftskammer Österreich, angesichts der Jahresbilanz, die das Institut für Handels-und Gewerbeforschung (IfGH) über 2002 gezogen hat. Auf Nachfrage wird er drastischer: Er könne sich an kein Jahr seit der Nachkriegszeit erinnern, in dem es in allen vier Quartalen ein reales Minus gesetzt habe. "1997 war auch schwer", so Lemler, "aber nicht so." Gründe seien die Wirtschaftsflaute, die von Deutschland ausgehende "Lähmung", die Euro-Einführung sowie Unsicherheiten durch die Weltpolitik gewesen, glauben die Händler.

Für 2003 rechnet Lemler "frühestens ab der zweiten Jahreshälfte" mit Entspannung. Unsicherheitsfaktoren gebe es weiterhin genug. Die kommende Regierung sollte "eine Entlastung bis in die mittleren Einkommensschichten" angehen. Über alle Branchen gerechnet spülte es im Vorjahr um 1,1 Prozent weniger in die Kassen der Handelsbetriebe - in absoluten Zahlen 37,7 Mrd. Euro (ohne Großhandel, Kfz- und Kraftstoffhandel).

2,5 Prozent Rückgang

Rechnet man zu diesem nominellen Umsatzminus noch die Inflationsrate, also die relative Verteuerung der Waren, dazu, kommt man auf einen realen Rückgang (zu virtuell konstanten Preisen) von 2,5 Prozent. Die handelsrelevante Inflationsrate - 1,4 Prozent - wird um 0,4 Prozentpunkte niedriger angenommen als die Veränderung des Verbraucherpreisindexes 2002 insgesamt, so IfGH-Handelsexperte Peter Voithofer am Mittwoch.

Der Unterschied zu den am Dienstag publizierten Zahlen der Statistik Austria - Einzelhandel: wie berichtet real plus 0,8 Prozent - ergebe sich aus der unterschiedlichen Erhebung und Inflationsberechnung. "Die Saisonverläufe sind aber gleich", sagt Voithofer. Das zweite und vierte Quartal brachte die stärksten Rückgänge, das dritte profitierte vom Sommertourismus.

Die vor Weihnachten schon ab November gewährten Preisnachlässe schlagen sich in der Statistik nicht direkt nieder; in manchen Branchen wie Textil oder Schuhe ist - vermutlich - der Preisverfall höher als im Index festgehalten. Grund für die Probleme im modischen Bereich: Der Winter verspätete sich. Das Weihnachtsgeschäft daher: minus drei Prozent. (szem, DER STANDARD, Printausgabe 13.2.2003)

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    Zeichen der Krise: Selten zuvor grassierte die Rabattitis so heftig wie 2002. Das freut zwar die Schnäppchenjäger, schadet aber insgesamt der Wertschöpfung.

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