Christliche Studie sieht Rollenbilder bestätigt

12. Februar 2003, 14:09
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"Sport für die Buben, Musik für die Mädels"

Linz - Die Bemühungen, bei der Berufswahl die traditionellen Rollenbilder aufzubrechen, dürften auch in der Zukunft wenig Erfolg haben: Wie jetzt eine Studie in Oberösterreich zeigt, sind die Anteile von Buben und Mädchen in den Schulklassen nach wie vor von den genannten Rollenbildern geprägt. Zum Beispiel: Sport und Computer für Buben und Musik für Mädchen.

Der Christliche Lehrerverein analysierte im Zusammenhang mit dem Thema "Koedukation" die Situation in den oberösterreichischen Schulen, beginnend bei den "Taferlklasslern" bis zur Universitätsebene. Die Ergebnisse wurden jetzt in der Fachzeitschrift "Das Schulblatt" veröffentlicht.

In der Unterstufe noch ausgeglichen

In den "normalen" Volks- und Hauptschulen sowie in den Unterstufen der Allgemeinbildenden Höheren Schulen ist das Verhältnis von Buben und Mädchen noch weitgehend ausgeglichen. Es gehen nur etwas mehr Mädchen als Buben in die AHS-Unterstufe.

Ganz anders die Situation in den Hauptschulklassen mit speziellen Schwerpunkten. So liegt in den Musikklassen der Anteil der Mädchen bei 74 Prozent, nur 26 Prozent sind Buben. Dafür kommen in den Sportklassen auf 67 Prozent Buben nur 33 Prozent Mädchen. "Mit Sport kann man als Bub Eindruck machen, mit Musik weniger, daher gehen die Buben lieber in die Sportklassen", hat man beim Pädagogischen Institut in Linz eine Erklärung für dieses Phänomen. Warum allerdings die Mädchen nicht von sich aus ebenfalls zum Sportzweig drängen, das ist selbst für die Experten nicht wirklich erklärbar.

Höherer Bubenanteil in der polytechnischen Schule

Angesichts der klassischen Rollenbilder überrascht nicht, dass in den Computerklassen 57 Prozent Buben und nur 43 Prozent Mädchen sitzen. Ähnlich - mit 61 zu 39 Prozent - überwiegt in den Polytechnischen Schulen der Anteil der Buben. Dies dürfte nach Ansicht der Fachleute des Pädagogischen Instituts damit zusammen hängen, dass Mädchen eher zumindest das neunte Schuljahr in einer weiterführenden Schule absolvieren, auch wenn sie dann eine Lehre beginnen. Buben, die eine Berufsausbildung anstreben, bleiben eher im "Poly".

"Ist geistige Behinderung oder Lernstörung eine typische Eigenschaft unserer männlichen Klientel?" - diese provokante Frage wird im "Schulblatt" angesichts eines weiteren Ergebnisses dieser Studie gestellt: In den Sonderschulen sitzen zu 62 Prozent Buben und nur zu 38 Prozent Mädchen.

Technik den Männern vorbehalten

Die Pädagogen sehen darin aber nicht ein Zeichen dafür, dass "Männer von morgen" weniger intellektuelle Fähigkeiten hätten als die "Frauen". Dazu ein Experte des Pädagogischen Instituts: "Das intellektuelle Niveau unterscheidet sich bei den Geschlechtern nicht, nur kommen bei den Buben oft noch Verhaltensauffälligkeiten dazu, so dass diese eher in der Sonderschule landen als Mädchen".

Die traditionellen Rollenbilder bestätigen sich schließlich auch noch in den höheren Schulen. So gibt es erwartungsgemäß in den diversen Höheren Lehranstalten 94 Prozent Mädchen und nur sechs Prozent Buben. In den Höheren Technischen Lehranstalten hingegen 90 Prozent "Männer" und zehn Prozent "Frauen".

An den Universitäten schließlich ist das Verhältnis männliche zu weiblichen Studenten 40 zu 60.

Biologische Unterschiede, soziologische Unterschiede

Die Studie kann freilich nicht beanspruchen, mehr als einen Ist-Zustand, ungeachtet biologischer und soziologischer Bedingungen zu beachten. Sie besagt nichts über eine unreflektierte Aufnahme konventioneller Verhaltensweisen.
Dass signifikant viele Männer in technischen Berufen landen, ließe sich indessen wohl eher auf funktionell-strukturelle Unterschiede im Gehirn zurückführen. (APA/red)

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