Milosevic-Prozess geht in das zweite Jahr

12. Februar 2003, 13:31
20 Postings

Kronzeuge Vasiljevic belastet Angeklagten schwer

Den Haag - Vor dem UNO-Tribunal in Den Haag hat am Mittwoch das zweite Jahr des Prozesses gegen den früheren jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic begonnen. Dem 61-Jährigen werden Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Kosovo, in Kroatien und in Bosnien-Herzegowina in den neunziger Jahren zur Last gelegt. Außerdem wird er des Völkermords in Bosnien-Herzegowina beschuldigt.

Nach mehrtägiger Verhandlungspause sah sich Milosevic am Mittwoch im Gerichtssaal erneut mit einem Mitstreiter von einst konfrontiert, dem als Zeuge der Anklage geladenen General Aleksandar Vasiljevic. Dieser war Chef der militärischen Spionageabwehr Jugoslawiens und soll nach Darstellung des Anklägers zusammen mit anderen vor Mai 1992 Serben in Kroatien zum Aufstand aufgewiegelt haben. Daraus entstand der Kroatien-Konflikt. Wegen seiner Insider-Kenntnisse gilt er als eine Art Kronzeuge gegen Milosevic.

Vasiljevic hat bereits Fragen zu Schreiben prominenter Politiker aus der Krajina an Milosevic beantwortet. Aus diesen Unterlagen soll deutlich werden, wie sehr der Angeklagte als damaliger Präsident von Serbien den Konflikt vorbereitet und die in Kroatien eingesetzten jugoslawischen Streitkräfte und Sonderpolizisten finanziell und mit Waffen unterstützt habe. Nach Darstellung der Anklage war der Kroatien-Konflikt Teil der Pläne von Milosevic, ein Großserbien zu schaffen. Milosevic hat jede Verantwortlichkeit für das Auftreten jugoslawischer Streitkräfte in Kroatien bestritten. Er habe sie auch nicht unterstützt, erklärte er.

Vasiljevic belastet Angeklagten schwer

Der frühere Chef des jugoslawischen Militär-Geheimdienstes KOS, Aleksandar Vasilijev, belastete Milosevic im Kriegsverbrecherprozess schwer: Nach seinen Aussagen koordinierten und trainierten führende Vertreter des serbischen Innenministeriums paramilitärische Gruppen, die während des Kroatien-Kriegs 1991 bis 1995 an der Seite serbisch-kroatischer Aufständischer gegen die kroatische Armee kämpften. Derartige Maßnahmen seien jedoch ohne Zustimmung des serbischen Präsidenten - zu dem Zeitpunkt Milosevic - nicht möglich gewesen.

Vasilijevs Aussagen vor dem Den Haager Tribunal gehören zu den bisher schwerwiegendsten Hinweisen für eine weitaus größere Verwicklung Milosevics in die Balkan-Kriege, als er selbst behauptet.

In dem Prozess geht es um Kriegsverbrechen im Kosovo (1998/99), in Kroatien und Bosnien. Der 61-jährige Milosevic argumentiert, er trage keine Verantwortung für Kriegsverbrechen in Bosnien und Kroatien, da er erst 1997 jugoslawischer Staatschef wurde. Die Anklage hofft dagegen, mit Hilfe von Aussagen ehemaliger Vertrauter und Mitarbeiter Milosevics nachweisen zu können, dass die serbische Führung in Kroatien und Bosnien unter direkter Kontrolle Milosevics stand. (APA/dpa)

Share if you care.