USA wollen Jalabi als Hussein-Nachfolger

12. Februar 2003, 13:35
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"Daily Telegraph": Der umstrittene Bankier wartet im Kurdengebiet US-Schlag gegen Bagdad ab

Washington/London - Die US-Regierung will laut einem britischen Zeitungsbericht den umstrittenen Bankier Ahmed Jalabi, Chef des "Irakischen Nationalkongresses" (INC), als Nachfolger von Staatschef Saddam Hussein einsetzen. Die britische Tageszeitung "The Daily Telegraph" (Mittwoch-Ausgabe) berichtete unter Berufung auf ein hoch gestelltes Mitglied der Bush-Administration in Washington, Jalabi halte sich derzeit im kurdischen Nordirak auf und solle dort bis zum Beginn einer Invasion bleiben.

Endgültige Entscheidung noch nicht gefallen

"Wir werden versuchen, ihn und andere Oppositionsführer so schnell wie möglich zurück nach Bagdad zu bringen und eine Übergangsregierung auf die Beine zu stellen", zitierte das Londoner Blatt den amerikanischen Regierungsbeamten. Eine endgültige Entscheidung über die Nachfolge Saddam Husseins sei aber noch nicht gefallen. Nach einem erfolgreichen Militärschlag werde zunächst US-General Tommy Franks die Kontrolle über den Irak übernehmen. Jalabis INC hat seinen Sitz in London. Ein fehlgeschlagener Putschversuch mit Hilfe des US-Geheimdienstes CIA brachte dem INC und Jalabi 1995 den Spott des Machthabers von Bagdad ein. 1998 erhielt der INC von den USA Finanzhilfe von knapp hundert Millionen Dollar.

1958 ins Ausland geflohen

Der Sohn einer wohlhabenden Bankiersfamilie aus Bagdad war 13 Jahre alt, als er mit seinen Eltern nach dem blutigen Sturz der Haschemiten-Monarchie 1958 ins Ausland floh. Ein jordanisches Gericht verurteilte ihn 1992 wegen Betrugs zu 22 Jahren Haft, nachdem seine Petra-Bank in dem arabischen Land drei Jahre zuvor spektakulär pleite gegangen war. Derzeit führt Jalabi die Firma Cardtech, die Software an Banken vertreibt. Zwei seiner Brüder, die im Zusammenhang mit der Petra-Pleite ebenfalls finanziell Schiffbruch erlitten hatten, wurden vor zwei Jahren in der Schweiz wegen Bilanzfälschung verurteilt. Jalabi hatte seine geschäftlichen Probleme immer wieder als "Komplott" des irakischen Geheimdiensts zu erklären versucht.

Unterstützung der "Falken"

Bei der US-Regierung in Washington und ganz besonders bei den "Falken" im Verteidigungsministerium genießt Jalabi Unterstützung. Zu seinen stärksten Stützen zählen Richard Perle, Berater von Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, und der einflussreiche republikanische Senator Sam Brownback.

Die zerstrittenen Gruppierungen der irakischen Exil-Opposition hatten sich Mitte Dezember in London auf die Bildung eines "Koordinierungskomitees" verständigt. Aufgabe dieses Ausschusses soll es sein, nach einem Sturz des Regimes in Bagdad eine Übergangsregierung einzusetzen. (APA)

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