Venezuela: "Im Zweifelsfall für Chavez!"

12. Februar 2003, 18:52
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Jesuitenpater: "Sein großes Verdienst ist die Politisierung der Gesellschaft" - Informationen "vollständig manipuliert"

Caracas/Wien - Für den in Venezuela wirkenden Jesuitenpater Klaus Vathroder ist Staatspräsident Hugo Chavez autoritär, aber kein Diktator. Die Armen des südamerikanischen Erdöllandes hofften weiter auf die Reformkraft "ihres" Präsidenten. Vathroder lebt seit vielen Jahren in Caracas und leitet dort die Stiftung "Centro Gumilla". Diese Jesuitengemeinde betreibt soziale Wohnbauprojekte in den Armengebieten und lebt inmitten jener Bevölkerungsschicht, die vor fünf Jahren Chavez ins Präsidentenamt gehoben hat.

"Chavez stellt für viele Menschen immer noch eine reale Hoffnung dar, obwohl die letzten drei Jahre kaum reale Verbesserungen des Lebensstandards gebracht haben. Man traut ihm zu, die Armen aus dem Elend führen zu können. Natürlich gibt es in den Armenvierteln auch Chavez-Kritiker, doch würde man diese zu einer Entweder-Oder-Entscheidung zwingen wollen, würden die meisten dann doch zu Chavez stehen", sagt Vathroder. "Sein großes Verdienst - neben all den Fehlern - ist die Politisierung der Gesellschaft. Menschen, die bisher nie das Recht hatten mitzureden, wurde das Gefühl vermittelt, sie wären wichtig, sie hätten etwas zu sagen. Chavez hat ihnen zugehört. Menschen aus den Armenvierteln haben vor drei Jahren erstmals in der Geschichte dieses Landes am Verfassungsentwurf mitarbeiten können."

Die Informationen über einen angeblichen Bürgerkrieg, die von den Massenmedien transportiert würden, seien "allesamt manipuliert: Die privaten Fernsehsender Venezuelas vermittelten den Eindruck, der Streik wäre total. Das stimmt nicht. Der Streik spielte sich nur in einem Sektor der venezolanischen Wirtschaft ab. In dessen Zentrum steht das staatliche Erdölunternehmen PDVSA. Hier im ärmeren Westen der Hauptstadt spürte man den Streik kaum. Die Menschen gingen zur Arbeit, der Nahverkehr funktionierte, man kaufte und verkaufte. Im reicheren Osten aber waren viele Geschäfte geschlossen." Ohne Chavez als Gegenpol würde die Opposition vermutlich sofort auseinander fallen, meint der Jesuit. Die Angst vor einem "kommunistischen Venezuela, wie es täglich in den privaten Fernsehsendern angekündigt wird, beherrscht die Ober- und Mittelschicht stark. Das sind ja genau jene Gruppen, die vom Erdölboom gelebt haben. Sie befürchten, sie würden durch Chavez alles verlieren." (APA)

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    Vathroder: "Chavez stellt für viele Menschen immer noch eine reale Hoffnung dar"

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