Auch Ikea wächst langsamer

12. Februar 2003, 10:16
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Expansionslust jedoch ungebrochen - Im Zukunftsmarkt Russland viel Geduld nötig

Wien - Der schwedische Möbelkonzern Ikea will trotz der angespannten internationalen Konjunktur weiter kräftig investieren und expandieren. "Natürlich spüren auch wir die Wachstumsschwäche, denn die Menschen sparen in schlechten Zeiten gerade bei Haushaltsgeräten oder Möbeln", sagte Konzernchef Anders Dahlvig im Gespräch mit der APA in Wien. Auf vergleichbarerer Fläche stieg der Welt-Umsatz im Geschäftsjahr 2001/02 (per Ende August) nur noch um 1 bis 2 Prozent. "Wir wachsen zwar noch immer, aber viel langsamer als noch vor drei, vier Jahren", so Dahlvig. Inklusive der neu eröffneten Märkte stieg der Umsatz um rund 6 Prozent.

Ikea setzte im letzten Geschäftsjahr 11,99 (Vorjahr: 11,33) Mrd. Euro um und beschäftigte konzernweit 70.000 Mitarbeiter. Gut 80 Prozent des Umsatzes stammen aus Europa, 17 Prozent aus Nordamerika (USA, Kanada), der Rest aus Asien, wo nach dem erfolgten Einstieg in China in den nächsten drei Jahren Japan aufgerollt werden soll.

Möbelkäufer drehen Euros zweimal um

Dass Möbelkäufer ihre Euros und Dollars derzeit eher zweimal umdrehen, spürt auch Ikea: Man profitiere zwar vom gestiegenen Preisbewusststein der Konsumenten. Doch selbst bei Ikea gingen die durchschnittlichen Einkaufssummen in den vergangenen Jahren zurück, was nicht nur an jahrelangen Preissenkungen bei Parade-Produkten des Konzerns lag.

Anders als in der Vergangenheit will das 1943 gegründete Möbelhaus diesmal die gröbsten Konjunkturdellen ohne Investitionsbremse durchtauchen: "Schon bevor es mit dem Wachstum bergab ging, haben wir beschlossen, dieses Mal werden wir auch im Abschwung weiter investieren, damit wir auf den nächsten Aufschwung besser vorbereitet sind", so der Konzernboss zur APA. Freilich würden variable Kosten durchforstet. Langfrist-Finanzierungen in die Häuser würden aber in jedem Fall fortgesetzt. Auch die Werbeetats seien nicht gekürzt worden, wenngleich man in solchen Zeiten mit Agenturen und Medien besser verhandle und "mehr für sein Geld kriegt".

Expansion wird fortgesetzt

In den vergangenen Jahren investierte Ikea im Schnitt rund 1 Mrd. Euro jährlich, dies soll auch künftig der Fall sein. Ein Schwerpunkt der aktuellen Investitionen des "unmöglichen" Möbelkonzerns aus Schweden liegt in Nordamerika, wo im laufenden Jahr 9 neue Ikea-Häuser eröffnet werden, aber auch weiterhin in Europa sowie Russland.

"Der US-Markt ist so groß wie der europäische, und wir haben dort erst 50 Häuser - verglichen mit 120 Märkten in Europa. Das Potenzial ist enorm", betont der gebürtige Schwede, der den Konzern seit 1999 leitet. In den nächsten 10 Jahren will Ikea allein in den USA im Schnitt 5 neue Häuser pro Jahr aufmachen.

Geduldig in Russland

Einer der großen Zukunftsmärkte des schwedischen Möbelriesen ist aber Russland. Schon allein weil dort bisher kaum lokale oder internationale Konkurrenz drohe. Dahlvig: "Ein fantastischer Markt, der gut zu uns passt." In Russland sei allerdings ein langer Atem vonnöten: "Hier müssen wir sehr langfristig planen und sehr geduldig sein", meint der Konzernchef. Wegen der niedrigen Kaufkraft muss Ikea dort zu sehr niedrigen Preisen verkaufen, um "Billy & Co" der Mittelschicht erschwinglich zu machen. Zugleich habe man mit bis zu 30-prozentigen Importzöllen zu leben. Deshalb sei in den ersten Jahren in Russland nicht mit Gewinnen zu rechnen, glaubt Dahlvig. Hoffnungen setzt Ikea wie alle übrigen Russland-Investoren auf einen baldigen WTO-Beitritt des Riesenlandes, der diesen Protektionismus beseitigen sollte. Zum Thema überwuchernde Bürokratie bzw. Korruption hat zuletzt eine Roland Berger-Studie dem Schweden-Konzern bescheinigt, eines der wenigen Unternehmen zu sein, das in Russland keine Bestechungsgelder zahlt. Dahlvig: "Es ist möglich ohne das zu arbeiten."

Bürokratischen Widerstand gibt es derzeit dennoch gegen einen dritten Ikea-Markt in Moskau. Dort plant Ikea nahe dem Zentrum sein bisher größtes Möbelhaus weltweit. "Dieses Projekt steht, weil die Moskauer Stadtregierung bisher keine Genehmigung erteilte. Wir hoffen weiter, aber zur Zeit will ich keine Prognose abgeben, bis wann." Für einen ersten Markt in St. Petersburg läuft zur Zeit ebenfalls ein Genehmigungsverfahren. Dort rechnet Dahlvig aber damit, in den nächsten 3 Monaten mit dem Bau beginnen zu können. Mittelfristig will Ikea auch den Einkauf in dem rohstoffreichen Land ausbauen. Aktuell stammt nur etwa ein Prozent der Waren von dort.

Chinesische Kopierer

In China ist der Konzern mit anderen Markt-Eigenheiten konfrontiert: Die Kaufkraft ist zwar ähnlich niedrig wie in Russland, Ikea nützt hier aber den gigantischen Zuliefermarkt - um Zölle zu vermeiden. Zudem ist hier der Wettbewerb stärker: "Die Chinesen sind Meister im Kopieren. Egal was wir auf den Markt bringen, sie machen es nach - billiger als wir", so Dahlvig. "Aber damit muss man leben", kommentiert der Schwede das Faktum, dass dort praktisch "jeder Ikea hat".

Die beiden Ikea-Häuser in China (Peking und Schanghai) werden derzeit vergrößert. Ziel sei es, dort pro Jahr 2 neue Möbelhäuser zu eröffnen. Der Break-even werde in China frühestens in drei bis vier Jahren erreicht. In Japan werden derzeit Standorte sondiert, der erste Markt in einer der dortigen Metropolen - zunächst in der Region Tokio - könnte in drei Jahren stehen.(APA)

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