Iwanow: Dreier-Erklärung nicht gegen Bush gerichtet

12. Februar 2003, 11:33
1 Posting

Russischer Außenminister sieht "überwältigende Mehrheit" für französisch-deutsch-russische Initiative in UNO

Paris - Die deutsch-französisch-russische Erklärung zur Abwendung eines Irak-Krieges ist nach den Worten des russischen Außenministers Igor Iwanow nicht gegen US-Präsident George W. Bush und sein Land gerichtet. Es handle sich nicht um eine Herausforderung an die Adresse der USA, sondern eine "Einladung, gemeinsam einen politischen Ausweg aus der Krise" zu finden", sagte Iwanow der konservativen Pariser Tageszeitung "Le Figaro" vom Mittwoch. Der russische Chefdiplomat zeigte sich überzeugt, eine "überwältigende Mehrheit" im UNO-Sicherheitsrat habe eine "sehr ähnliche Position" wie Moskau, Berlin und Paris. Er warnte zudem vor den "negativen Folgen" eines Irak-Krieges.

Unverhohlene Kritik an USA

In dem "Figaro"-Interview übte Iwanow gleichzeitig unverhohlene Kritik am Vorgehen der USA: Die Meinungsverschiedenheiten zwischen den Amerikanern und anderen Staaten sollten "nicht dramatisiert werden", forderte er. "Wir sind nicht mehr in den Zeiten der UdSSR, als alle der Meinung des Politbüros zu folgen hatten." Alternativen müssten debattiert werden. Die Dreier-Erklärung von Moskau, Berlin und Paris zeige, "dass man der Logik der Blöcke entkommen" könne. Russland sei dennoch nicht erfreut über die Gegensätze innerhalb der EU und der NATO sowie zwischen Frankreich und den USA, betonte Iwanow.

Ein Irak-Krieg würde die ganze Region destabilisieren, sagte der russische Außenminister weiter. Dies gelte vor allem, wenn dabei der UNO-Sicherheitsrat umgangen werde; ein derartiges Vorgehen würde einen "Riss in der internationalen Gemeinschaft erzeugen". Durch einen Irak-Krieg werde überdies die islamische Welt radikalisiert und der Kampf gegen den Terrorismus erschwert. "Wir müssen abwägen, inwieweit die Lage in Irak das Eingehen derartiger Risiken erfordert." (APA)

Share if you care.