Antistaugebühr in Österreich "undenkbar"

17. Februar 2003, 15:40
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Die Fahrt ins Londoner Zentrum kostet ab nächster Woche acht Euro

Linz/Wien/Salzburg - Die Einführung einer Antistaugebühr nach Londoner Vorbild hält der Linzer Verkehrsstadtrat Berthold Amerstorfer (FP) für "nicht vorstellbar". Um die Blechlawinen in der Londoner Innenstadt einzudämmen, müssen ab nächster Woche Autofahrer eine "Staugebühr" blechen. Wohlfeile acht Euro kostet wochentags zwischen 7 Uhr und 18.30 Uhr eine Fahrt ins Zentrum der britischen Hauptstadt.

Dies wäre vor allem den 100.000 Pendlern, die täglich nach Linz zur Arbeit fahren, nicht zumutbar, erklärte Amerstorfer. Ablehnende Töne kommen auch aus Graz: "Glücklicherweise sind wir von einer Situation wie in London weit entfernt", sagte VP-Stadtrat Gerhard Rüsch. Eine Citymaut hält er für nicht notwendig.

Häupl dagegen

Auch für Wiens Bürgermeister Michael Häupl (SP) ist eine Stau-Maut in der Bundeshauptstadt undenkbar. "Solange ich Bürgermeister bin, gibt es das nicht. Und das wird noch lange sein", betonte er am Dienstag in seiner wöchentlichen Pressekonferenz. Ablehnung kam auch von Verkehrsstadtrat Rudolf Schicker (SP). Es bestehe keine Notwendigkeit, eine "Pförtnersituation" bei den Einfahrten in die Innenstadt zu schaffen, so Schicker. Seit der Einführung der Parkraumbewirtschaftung sei die Zahl der Autofahrten in diesem Bereich sogar zurückgegangen.

Salzburgs Planungsstadtrat Johann Padutsch (Bürgerliste) kennt die Modelle aus Skandinavien und Asien. "Das ist nichts anderes als Road-pricing im Stadtzentrum." Es gebe aber doch ganz massive Unterschiede zwischen einer Großmetropole wie London und einer Stadt wie Salzburg. Er habe in einer Gesprächsrunde mit den Verkehrssprechern aller Fraktionen abgetastet, ob es eine politische Akzeptanz für eine solche Maßnahme gebe. "Das wurde total verneint. Es gibt keine Chance", so Padutsch. Es hänge aber immer auch mit der Akzeptanz bei den Autofahrern zusammen, und in Salzburg sei "der Leidensdruck nicht groß genug." (fern, APA/DER STANDARD, Printausgabe, 12.2.2003)

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