Zwangstherapie für Todeskandidaten

11. Februar 2003, 20:25
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"Einziger Nachteil ist Exekution"

Little Rock - Mit knapper Mehrheit entschied ein US-Berufungsgericht, dass einem psychisch kranken Hinrichtungskandidaten Medikamente unter Zwang verabreicht werden dürfen, um seine Tötung zu ermöglichen. Rechtsexperten protestieren gegen die Entscheidung, wie die New York Times berichtet.

Der Betroffene erstach 1979 im Bundesstaat Arkansas eine Verkäuferin und wurde zum Tode verurteilt. Der Mann leidet allerdings an Schizophrenie, sein Zustand hat sich seit 1987 rapide verschlechtert. Seine Verteidiger argumentierten damit, dass ein Geisteskranker laut Verfassung nicht getötet werden dürfe.

Das Berufungsgericht in St. Louis entschied mit sechs zu fünf Stimmen anders. Dem Mann müssen Medikamente auch gegen seinen Willen verabreicht werden, um seine Schizophrenie in den Griff zu bekommen. Die Alternative wäre gewesen, ihn ohne Medikamentation für unbestimmte Zeit in Haft zu lassen. Im Urteil spricht Richter Roger L. Wollman davon, dass die erste Möglichkeit für den Mann vorteilhafter sei. "Die Verfügbarkeit für eine Exekution ist der einzige Nachteil der Behandlung", meint der Jurist weiter. (moe/DER STANDARD, Printausgabe, 12.2.2003)

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