Schule für Frühaufsteher

17. Februar 2003, 15:50
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Hätten Schüler eine Gewerkschaft, müsste die längst auf den Barrikaden stehen - Von Martina Salomon

Nicht mehr viele Arbeitnehmer sind heutzutage noch gezwungen, sechs Tage die Woche um punkt acht im Betrieb zu sein - an manchen Schulen fängt der Unterricht sogar noch früher an. In höheren Schulstufen wird samt Hausübungs- und Lernzeit zudem locker eine 60-Stunden-Woche erreicht. Eine Studie des Vereins für Konsumenteninformation zeigt nun, dass ein kindgerechter Schultag erst um neun Uhr beginnen sollte.

Doch die einzige Partei, die laut darüber nachzudenken wagte, war das Liberale Forum. Ansonsten heißt es in der Politik unisono, dass ein späterer Unterrichtsbeginn mit den Eltern-Arbeitszeiten unvereinbar wäre. Wobei die Frühbetreuung offenbar allen ein Riesenherzensanliegen zu sein scheint, während das Vakuum am Nachmittag als gottgegeben hingenommen wird. In den meisten Schulen gibt es nicht einmal die Möglichkeit eines vernünftigen Mittagessens.

Mangelhafte Elternvertretung

Schulpolitik im Interesse von Schülern und Eltern findet kaum statt. Das mag auch an der mangelhaften Elternvertretung liegen. Deren Mischung aus vorauseilendem Gehorsam gegenüber Lehrerinteressen und der Schwierigkeit, divergierende Interessen der Familien unter einen Hut zu bringen, führt zu Lähmungserscheinungen. Dementsprechend zaghaft sind auch die Vorstöße für schulautonome Lösungen.

Betrachtet man die Berufsrealität der meisten Erwachsenen, dann müsste es schon lange Ganztagsschulen geben: fünf Tage die Woche von neun bis 17 Uhr. Samt Essen, Freizeit und genügend Bewegungsraum, Förderstunden, Morgen- sowie Ferienbetreuung nach Bedarf. Österreichs Schulen sind hingegen - obwohl die teuersten der OECD-Länder - nur auf Halbtagsbetrieb eingestellt. Ein erstaunlich antiquiertes System. (DER STANDARD, Printausgabe, 12.2.2003)

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