Seifenoper im Großfeld

12. Februar 2003, 20:09
4 Postings

12.2.2003 - Der ORF nimmt Abschied von einer Ösi-Soap, vielleicht doch etwas zu schnell ...

"Wir haben das Geld in den reichweitenstarken Zonen konzentriert", sagte ORF-Programmdirektor Reinhard Scolik neulich, "und auf einige Vorhaben wie die Daily Soap verzichtet." So spricht nur ein vom Erfolg Verwöhnter. Die begehrlichen Blicke auf die jugendliche Zielgruppe wurden von dieser, gottlob, erwidert. Am Küniglberg herrscht dank "Starmania" ausgelassene Partystimmung, der ORF feiert seinen "Imagegewinn".

Der Entschluss, die Ösi-Soap ins Reich der nie verwirklichten Teenagerträume zu verschicken, ist eventuell vorschnell gefasst. Das Format könnte noch gebraucht werden.

Zum Beispiel - man möge mir das Wiederaufwärmen einer an sich genügend leidigen Angelegenheit verzeihen - für die verhärmten Großfeldsiedler. Diese fühlten sich von Elizabeth T. Spira ungerecht behandelt und warten immer noch auf "Wiedergutmachung" durch den ORF.

Seifenoper aus Floridsdorf: hübsche Teenager, ein fescher Unternehmer (vielleicht der Konditor?) und rundherum Liebeskummer, Party, Schmusen, dass es nur so eine Art hat - die ganze Themenpalette gesellschaftlicher Sozialisation Heranwachsender eben.

Mitten in der Großfeldsiedlung. Keine Drogensüchtigen, keine Alkoholiker und natürlich auch keine Karten dippelnde Alltagsgeschichten-Regisseurin. Die Weste wäre wieder weiß, das Bild genauso falsch wie jenes der Spira, und um die Kosten müsste man sich sowieso keine Sorgen machen. Die Krone steuert sicher gerne was dazu bei. (prie/DER STANDARD, Printausgabe vom 12.2.2003)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.