"In den Hochbau investieren"

11. Februar 2003, 18:38
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Helmut-Dieter Kus, Chef des Baustoffmarktführers Hagebau, forder mehr Investionen in den öffentlichen Hochbau und rechnet mit Multiplikatoreffekten

Wien - "Nicht unter acht" wäre der Multiplikatoreffekt, würde die Republik in den öffentlichen Nichtwohnungsbau investieren, "das sagt Ihnen jeder Wirtschaftsprofessor", sagt Helmut-Dieter Kus, Geschäftsführer bei Hagebau, dem größten österreichischen Verbund von Baustoffhändlern, im STANDARD-Gespräch. Sprich: Jeder in die Renovierung oder Erweiterung von Schulen, Amtsgebäuden, Krankenhäusern, Bahnhöfen und ähnlichem gesteckte Euro würde acht Euro Umsatz im Gewerbe oder bei Dienstleistern erzeugen. "Ich bin ja an und für sich gegen Deficit-spending, aber das hätte in der jetzigen Situation Sinn. In letzter Zeit gab es da viel zu wenige Impulse."

Der Hagebau-Chef spricht nicht uneigennützig. Die Branchenumsätze sind rückläufig: Laut internen Berechnungen schrumpfte der Gesamtmarkt 2002 um 3,8 Prozent - auf 4,2 Milliarden Euro (Heimwerker- und Baustoffumsätze zusammen).

Preisverfall

Dies hat nicht unbedingt mit der einem kleiner gewordenen Absatzvolumen zu tun, bestätigt auch Öbau-Chef Andreas Pilliczar. "In den letzten fünf Jahren fielen die Verkaufspreise um insgesamt 25 Prozent. Die Mengen erreichten in etwa plus 25 bis 30 Prozent." Österreich hat die höchste Baumarktdichte Europas, dementsprechend groß sei der Druck. Für 2003 erwartet Kus "wie immer eine Stagnation im Hochbau, und eine leicht positive Entwicklung in der Renovierung".

Innerhalb der Branche könnte 2003 ein Jahr der Verschiebungen bei den diversen Kooperationen werden, Kus hofft, dass Hagebau als international verflochtenes System davon profitieren könnte. Hagebau ist eine Tochterfirma von 29 heimischen mittelständischen Baustoffhändlern und Hagebau Deutschland, hat keine eigenen Häuser, sondern fungiert als Großhandels- und Marketinggesellschaft. Im Gegensatz zu den Marktführern bei Do-It-Yourself - Baumax, Obi - liegt der Schwerpunkt bei gewerblichen Kunden und Häuslbauern.

Einkaufskooperationen

Ein Erfolgsfaktor seien in den vergangenen Jahren die diversen internationalen Einkaufskooperationen geworden, so Kus. "Man muss der Kingfisher-Hornbach-Allianz (gebildet im November 2001, Anm.) Paroli bieten können", Einkaufskonditionen seien im Wettbewerb entscheidender denn je. Hagebau arbeitet deswegen mit dem französischen Konzern Bricomarché im Joint-Venture "Arena" zusammen, ebenso wie beispielsweise Baumax mit Rewe/Toom, AVA/Marktkauf und Coop. (Leo Szemeliker, DER STANDARD, Printausgabe 12.2.2003)

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Hagebau

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    Maurer mauerten nicht weniger Mauern, die Ziegelpreise verfielen 2002 aber wie jene anderer Baustoffe.

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