Aufbegehren der Spätzünder

11. Februar 2003, 17:27
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Wiens Ökos wurden erst mit der Verlagerung der Machtzentren in den Osten wichtig

Johannes Voggenhuber kostete Anfang der 80er-Jahre in Salzburg seinen 17-Prozent- Wahlerfolg aus und engagierte sich als Bürgerlisten-Stadtrat für die Altstadterhaltung, als die Wiener Grünen noch weit abseits des Gemeinderats in Hinterstübchen über "gesamtgesellschaftliche marxistische Betrachtungsweisen" theoretisierten. Ihre große Zeit sollte erst viel später kommen - als sich die Machtzentren der Grünen in die Städte verlagerten. Und in den Osten.

Denn anfangs punkteten die Grünen im Westen: in Salzburg mit Voggenhuber und Herbert Fux, in Vorarlberg mit Biobauer Kaspanaze Simma, mit dem sie 1984 auf 13 Prozent kamen. Bundesweit waren die Ökos von solchen Erfolgen damals weit entfernt, auch wegen der Streitereien und getrennten Kandidaturen von Alternativen und (bürgerlichen) Vereinten Grünen. Erst 1986, gestärkt durch den "Mobilisierungsfaktor" Hainburg und geführt von Freda Meissner-Blau, schafften sie den Einzug ins Parlament.

Auch damals spielten die Wiener Grünen noch kaum eine Rolle. Sie zogen erst 1991 unter dem Untersuchungsausschuss-Promi Peter Pilz in den Wiener Gemeinderat ein und arbeiteten sich bis zur Wiener Wahl 2001 mit 12,5 Prozent und einem Bezirksvorsteher zur neuen grünen "Hochburg" hoch. Damals, 2001, waren die Wiener auf eine rot-grüne Stadtregierung vorbereitet - die absolute Mehrheit und Alleinregierung der SPÖ ließ diese Koalition auf die Schmalspurvariante rot-grüner Projekte schrumpfen, deren bekanntestes das Stadtrad Viennabike ist.

Während die Wiener Grünen zu einer Koalition mit der SPÖ auf Landesebene bereit wären, opponieren sie nun heftig gegen eine mögliche Bundesregierung mit der ÖVP. Die Wiener Vertreter hatten im Erweiterten Bundesvorstand schon gegen Koalitionsverhandlungen gestimmt und forderten nun in einer Landeskonferenz den Stopp der Verhandlungen und mehr Information über die Gespräche. Ist doch Klubobmann Christoph Chorherr einer der wenigen Wiener, der für Verhandlungen ist - allerdings weilt er nach einem Besuch "seines" Schulprojekts in Südafrika.

Chorherr hätte im Erweiterten Bundesparteivorstand ohnehin keine Stimme - dort sind die Fundis der Landespartei, Monika Vana und Albert Steinhauser, stimmberechtigt. Die Realos dominieren im Rathausklub - geführt von Chorherr, der 1997 einen Machtkampf mit Peter Pilz für sich entschied, Pilz aus der Doppel-Klubführung mit ihm boxte und letztlich zurück ins Parlament trieb. Oberrealo Chorherr ließ den Fundis nur die Landespartei als Spielwiese - während Wiener Realos wie Eva Glawischnig aus dem Rathausklub in den Nationalrat einzogen.

Jetzt hat plötzlich die Spielwiese Landespartei Bedeutung - aber nicht Stimmen genug, um eine allfällige Koalition verhindern zu können. Auf einem Bundeskongress sind nämlich auch die Wiener Gemeinderäte von Chorherr abwärts stimmberechtigt. (Eva Linsinger, DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 12.2.2003)

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