Geworfenes Kind: Freispruch für Vater

11. Februar 2003, 19:22
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Manfred und Manuela, beide 32, entstammen jenem Milieu, in dem Elizabeth T. Spira gern die Kamera schwenken lässt

Wien - Es gibt Geschichten, die zu unwirklich klingen, um wahr zu sein, und gleichzeitig zu unwahrscheinlich, als dass man sie erfinden könnte. Mit so einem Fall müht sich ein Wiener Strafgericht nun schon zum dritten Mal ab.

Manfred und Manuela, beide 32, entstammen jenem Milieu, in dem Elizabeth T. Spira gern die Kamera schwenken lässt. Ein lustiger Abend reichte für eine Schwangerschaft. Schon vor der Geburt war der Spaß vorbei. Manfred zahlte ungern aber redlich 1000 Schilling im Monat. Am 20. Juli 2001 wurden die Alimente erhöht. Daran knüpft sich Manuelas Darstellung der Abläufe:

Es läutet an der Tür. Sie öffnet einen Spalt. Jemand drückt dagegen. Drei Männer stehen im Raum - Manfred und zwei Unbekannte. Die beiden halten sie fest. Ihr Ex-Freund drückt ihr den Bescheid vom Finanzamt auf die Stirn, stürmt ins Kinderzimmer, hebt die zweijährige Angelique hoch, öffnet das Fenster und hält das Kind mit einer Hand heraus. Die Mutter kann sich losreißen, verlässt die Wohnung, läuft die zwei Stockwerke hinunter, stellt sich unterhalb des Fensters auf die Gasse. (Früher Abend, Tageslicht, kein Passant, kein Zeuge.) Der Vater lässt das zwölf Kilo schwere Kind aus einer Höhe von 7,6 Metern fallen. Die Mutter breitet die Arme aus und fängt Angelique auf. Keine der beiden wird verletzt. (Ein Gutachter hält das für technisch möglich.)

Flüchten Mutter und Kind? Alarmieren sie Nachbarn oder Polizei? - Nein. Sie kehren in die Wohnung zurück. Das Kind wird weggesperrt. Die beiden Fremden überwältigen die Frau, Manfred vergewaltigt sie. Dann verlassen die Eindringlinge die Wohnung. Am nächsten Morgen erstattet Manuela Anzeige. - Ende der Darstellung. Manfred bestreitet die Tat. Er will an jenem Tag von Manuela zum Beischlaf überredet worden sein. Sonst nichts.

Ein Schöffengericht erklärte sich für unzuständig. Der Mordprozess im November endete mit einem Freispruch. Alle acht Laienrichter glaubten dem Angeklagten. Doch die Berufsrichter setzten das Urteil wegen "Irrtums" aus. Der Prozess musste wiederholt werden. Das Ergebnis: Weitere acht Geschworene halten die Geschichte für erlogen. Manfreds Freispruch ist nun rechtskräftig. (DER STANDARD, Printausgabe, 12.2.2003)

Von Daniel Glattauer
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