Virus-Abmahnung: Tornado-Austria fordert von Absendern Schadenersatz

13. Februar 2003, 20:41
posten

Salzburger Kriminalpolizei ermittelt

Das Tiroler Unternehmen Telebusiness Center Tornado-Austria hat sich offenbar auf eine neue Form des Abmahnwesens verlegt. Mit einem E-Mail, das auf einen angeblich versendeten Virus Klez hinweist, verlangt Tornado-Austria von verschiedenen Unternehmen für den angeblich entstandenen Schaden jeweils 900 Euro Gutmachung. Bisher haben sich vier Unternehmen gemeldet, die dieses Mail erhalten haben. Die Kriminalpolizei wurde bereits eingeschaltet.

Nicht im Firmenbuch eingetragen

Nach Recherchen von pressetext.austria ist das Unternehmen Telebusiness Tornado-Austria aber nicht im österreichischen Firmenbuch eingetragen. Telefonische Rückfragen konnten keine gestellt werden, da die Telefone des Unternehmens nicht abgehoben wurden. Nach Auskunft beim Innovationszentrum Reutte befinden sich die Mitarbeiter von Tornado zurzeit auf Urlaub. Die Schadenersatzforderungen ergeben sich aus einem Totalabsturz des Systems am 8. Januar 2003, aus dem ein angeblicher Schaden von 10.000 Euro entstanden sei. Dieser Betrag sei gerichtlich einklagbar.

Keine Anzeige, aber ...

Im E-Mail ist die Rede davon, dass das Virus zwar nicht in voller Absicht verschickt wurde, daher werde der Fall nur dann zur Anzeige gebracht, wenn nicht die Wiederinstandsetzungskosten von 900 Euro, das entspricht zehn EDV-Techniker-Stunden zu je 90 Euro, auf ein genanntes Konto eingehen. Als Bankverbindung wird die Raiffeisenbank Füssen angegeben. Nach Auskunft des dortigen Zuständigen für Geldwäsche gingen bereits heute, Dienstag, vier Anrufe betreffend einer Zahlung ein. Ein Sprecher der Raika Füssen erklärte gegenüber pressetext.austria, dass mehrere Unternehmen dieses E-Mail mit exakt demselben Inhalt erhalten hatten. Das Bankunternehmen werde sich der Angelegenheit annehmen und schließt rechtliche Schritte nicht aus. Nach Auskunft des Web-Host von Tornado-Austria, Netdiscounter.de, gab es zwar technische Probleme mit der Page, von dem Totalabsturz und der E-Mail mit der Geldforderung war jedoch nichts bekannt.

Virenschutzpflicht sowohl Absender als auch Empfänge

Franz Schmidbauer, Richter des Landesgerichtes Salzburg und Webmaster der Österreichischen Richtervereinigung, erklärte, dass eine Virenschutzpflicht sowohl Absender als auch Empfänger treffe. Eine eindeutige Haftung des Absenders sieht Schmidbauer allerdings nur für den Fall, wenn ein Virus absichtlich verschickt wird. Das treffe in den meisten Fällen aber nicht zu. "Im Internet- und E-Mailverkehr ist mit Viren zu rechnen, daher trifft eine Vorsorgepflicht sowohl den Absender als auch den Empfänger", so der Rechtsexperte. Schmidbauer rät davon ab, auf Grund dieses Mails Geld zu bezahlen. Mit der Drohung einer Anzeige im Falle des Nichtbezahlens gehe der Wortlaut nur knapp am Tatbestand einer Erpressung vorbei.(pte)

Zu dieser Agenturmeldung erreichte dem WebStandard folgende Stellungnahme von "Telebusiness Center Tornado-Austria":

Durch den Virus „Klez“, der uns durch eine Unzahl von verschiedenen Absendern an alle unsere Emailadressen zugesandt wurde, kam es zu einem Totalabsturz des Computernetzwerkes in unserem Büro. Dies hatte u. a. auch einen größeren Datenverlust zur Folge, wie z.B. die gesamte Kundendatenbank.

Die Wiederherstellung des Systems inklusive Neukonfigurierung kostete uns die Summe von 900 Euro. Der tatsächliche Schaden war jedoch weit größer, da durch die verlorenen Daten ein großer Umsatzentgang entstanden ist. Viele Kunden haben dadurch ihre Waren nicht erhalten und wollten natürlich ihr Geld zurück. Weiters war auch ein normaler Geschäftsbetrieb unter diesen Umständen nicht möglich, wodurch wir praktisch zwei Wochen keinerlei Umsätze tätigen konnten, wobei aber die laufenden Kosten natürlich weiterhin getragen werden mussten. Somit ist die Forderung von 900 Euro an den Verursacher mehr als gerechtfertigt.

Leider jedoch ist uns ein Irrtum unterlaufen, für den wir uns bereits am nächsten Tag nach der sogenannten „Abmahnmail“ bei allen Empfängern dieser Mail entschuldigt haben. In dieser Entschuldigung wurde auch deutlich darauf hingewiesen, dass die vorangegangene Mail als gegenstandslos betrachtet werden kann und wir selbstverständlich keine Forderung mehr gegen den Empfänger hätten. Wir sind davon ausgegangen, dass der Absender der Email auch der Versender des Virus ist. Dies war unser Fehler, denn der Virus „Klez“ verändert die wahre Absenderadresse durch „Spoofing“.

Weiters ist zu dieser Sache zu sagen, dass wir keine einzige Zahlung erhalten haben. Daß die Androhung rechtlicher Schritte beinahe eine Erpresssung darstellen soll ist unserer Meinung nach wohl etwas übertrieben, denn zum Zeitpunkt der Mailaussendung sind wir davon ausgegangen, dass die Mail an den Verursache des Virenangriffes übermittelt wird. Dem war leider nicht so. Auch wäre natürlich nicht von jedem Empfänger die volle Schadenssumme gefordert worden, sondern natürlich nur ein entsprechender Anteil, der allerdings angesichts der hohen Anzahl von eingegangenen Viren von verschiedenen Absendern recht gering ausgefallen wäre. Da die angesprochenen „Virenversender“ keine Straftat begangen haben und auch belegen können, dass die virenverseuchte Mail nicht von ihnen ausgegangen ist, könnten sie ja rechtlichen Schritten gegen sie gelassen entgegensehen. Dies ist ein weiterer Grund für die Tatsache, dass es sich hier wirklich um keine Drohung oder Erpressung handeln konnte.

Natürlich trifft bei einer Virenattacke auch den Empfänger eine gewisse Mitschuld, falls er sich nicht dagegen schützt. Allerdings hat der Virus Klez nenbenbei die Eigenschaft, dass er Antivirus-Software gezielt aushebelt, in dem er Virensignaturen und Programmdateien von Antivirensoftware löscht (siehe dazu auch heise.de News vom 18.04.2002).

Wir hoffen, dass damit nun alle Unklarheiten beseitigt sind. Wir weisen noch mal darauf hin, dass es sich wirklich nur um eine etwas zu vorschnelle und nicht genügend recherchierte Aktion gehandelt hat.

Wir stehen Betroffenen, die diese Email von uns erhalten haben, gerne jederzeit für ein Gespräch zur Verfügung. Und in aller Deutlichkeit erklären wir hiermit noch mal diese Mail als gegenstandlos, ebenso wie jedwede Forderung bzw. Androhung rechtlicher Schritte in dieser Mail gegenstandlos sind.

Mit freundlichen Grüssen

TORNADO AUSTRIA

Share if you care.