Erstes Baby aus eingefrorenem Embryo in Oberösterreich

12. Februar 2003, 20:15
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Linzer Primar kritisiert kurze "Einfrierfrist" von einem Jahr

Linz - Zum ersten Mal in Oberösterreich führte die so genannte "Kryokonservierung-Methode" zu einer erfolgreichen Schwangerschaft. Der Mutter war ein eingefrorener Embryo, der durch eine außerhalb des Körpers befruchtete Eizelle entstanden ist, eingesetzt worden. Die Erfolgsrate dieser Methode sei nicht so aussichtsreich wie ein "Frischversuch", die Eltern entschieden sich aber trotzdem dafür und wurden im November vergangenen Jahres mit der Geburt ihrer "Eisprinzessin" belohnt. Details gab Gernot Tews, Primar der Linzer Frauenklinik am Dienstag in einer Pressekonferenz, bekannt.

Der 38-jährigen Patientin waren beide Eileiter entfernt worden - sie konnte deshalb nicht mehr schwanger werden. Im Jahr 2001 suchte sie die Linzer Landes-Frauenklinik auf. Als Erstbehandlung wurde eine In-Vitro-Fertilisation angewandt, erklärte Tews. Dabei werde versucht, durch außerkörperliche Befruchtung der Eizellen mit Samenzellen zu Embryonen zu kommen. Drei Embryonen entstanden, "zwei davon wurden sofort in die Gebärmutter eingebracht", so Tews. Ein weiterer wurde im "Blastocystenstadium" - der Embryo besteht zu diesem Zeitpunkt aus rund hundert bis 150 Einzelzellen - eingefroren oder "kryokonserviert".

Frischversuch

Dabei werde mittels Spezialverfahren durch Zugabe bestimmter Substanzen die Kryokonservierung unter Stickstoff bei minus 196 Grad Celsius eingeleitet. Die Erfolgsrate dieser Methode liege bei etwa fünfzehn Prozent, jene eines "Frischversuches" bei immerhin vierzig Prozent. Im Fall der 38-jährigen Patientin scheiterte jedoch der Erstversuch. Möglicherweise wollte die Patientin keinen zweiten Versuch mehr in Kauf nehmen, weil "sie sich die Hormonbehandlung ersparen wollte", sagte Tews. Denn die Eltern entschlossen sich, auf den eingefrorenen Blastocysten zurückzugreifen.

Obwohl die aufgetauten Embryonen eine sehr geringe Chance haben, zu überleben, wuchs der Embryo in diesem Fall an und nistete sich ein, berichtete Tews. Nach einer problemlos verlaufenen Schwangerschaft brachte die Frau im vergangenen November ein Mädchen zur Welt - 3.000 Gramm schwer und 47 Zentimeter groß.

Unglücklich mit der Gesetzeslage

Trotz dieses glücklich ausgegangenen Falles ist Tews mit der Gesetzeslage für Ärzte und Biologen "insgesamt etwas unglücklich", da nach einem Jahr des Einfrierens die Embryonen auch gegen den Willen der Eltern zu verwerfen sind. Damit werde, wenn die Schwangerschaft glückt, allen weiteren Embryonen die potentielle Weiterentwicklung zum Leben genommen. "Es ist wohl keiner Mutter zuzumuten, bereits drei Monate nach der Geburt die nächste Schwangerschaft einzugehen", kritisierte Tews. Diese Passage des Fortpflanzungsmedizingesetzes sei damit "europaweit die schlechteste". (APA)

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