Salzburgs Ruf vergrault Architekten

11. Februar 2003, 13:55
2 Postings

Im Zuge des Festspiel- hausstreits und der Nichtvergabe des Architekturpreises verzichten viele Planungsbüros auf weitere Wettbewerbsteilnahmen

Salzburg - Der Wirbel um das Kleine Festspielhaus sowie die Nichtvergabe des Salzburger Architekturpreises zeigen nun Auswirkungen auf die Architektur in Salzburg: Mehrere Planungsbüros nehmen an Wettbewerben in der Stadt Salzburg nicht mehr oder nur sehr eingeschränkt Teil, "weil Salzburg wieder einen schlechten Ruf hat und weil sich die Entscheidungsträger nicht an das beste Projekt gebunden fühlen", wie es der Vorsitzende der Salzburger Initiative Architektur, Peter Ebner schildert.

Beispiel: Panorama-Lift auf den Mönchsberg

Jüngstes Beispiel ist das Gutachterverfahren für den geplanten Panorama-Lift auf den Mönchsberg, bei dem heute, Dienstag, die Jury den Sieger küren wird. Das Wiener Architekturbüro "pool", das zum Wettbewerb geladen worden war, verzichtete auf die Teilnahme. "Das Büro hat uns abgesagt, unter anderem deshalb, weil Salzburg derzeit einen so schlechten Ruf habe", so die Salzburger Architektin Ursula Spannberger, die das Verfahren im Auftrag der Salzburg AG als Auslober abwickelt.

"pool" bemängelt Fragwürdigkeiten in der Ausschreibung

Axel Linemayr, einer der vier Architekten von "pool", nennt mehrere Gründe für die Nicht-Teilnahme. "Sicher waren es die Vorfälle in Salzburg, die Aufregung um das Kleine Festspielhaus und die Nichtvergabe des Landes-Architekturpreises." Aber auch bei der konkreten Ausschreibung habe es "Fragwürdigkeiten" gegeben, die "nachher wieder die politische Einflussnahme ermöglichen".

"pool": Es zählen Seilschaften statt Qualität

Er habe mit einigen anderen Kollegen in Wien gesprochen und festgestellt, "dass man von Salzburg derzeit Abstand nimmt", so Linemayr. "Dort sind die Zugriffe der Politik noch deutlicher. Es wird nicht die Qualität beurteilt, sondern es zählen andere Seilschaften." "pool" hat bereits davor die Teilnahme am städtebaulichen Wettbewerb für die Neugestaltung des Geländes beim Stadion Lehen abgelehnt.

Ebner: "Wie kann Salzburg so patschert sein?"

Ebner legt Wert auf die Feststellung, dass sich die Kritik auf Politiker des Landes, nicht aber der Stadt Salzburg beziehe. Die Vorgänge rund um die Auftragsvergabe für den Umbau des Kleinen Festspielhauses bezeichnete Ebner als "sehr dubios". Er verstehe nicht, "wie Salzburg so patschert sein kann". Es werde dadurch der jungen Salzburger Architekturszene großer Schaden zugefügt. Jedenfalls sei es "bis jetzt in Österreich sehr unüblich gewesen, dass es nach einer Jury-Entscheidung nochmals eine andere Entscheidung gibt". (APA)

Share if you care.