Erbse statt Schoko

11. Februar 2003, 13:23
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Gegen saisonabhängige Depression helfen Gemüse und Sport - Jeder fünfte Österreicher betroffen

Wien - Fast jedem fünften Österreicher schlägt das nebelig, trübe Wetter aufs Gemüt. Was im Fachjargon saisonabhängige Depression (SAD) heißt, kennt in seiner gemilderten Form fast jeder: Schlechte Laune, Antriebslosigkeit, Müdigkeit und Lustlosigkeit. Während für manche Betroffene nur mehr moderne Psychopharmaka einen Ausweg aus der dunklen Nacht der Seele bieten, kann vielen schon mit Bewegung und gesunder Ernährung geholfen werden.

Das Zauberwort heißt Serotonin: Der Mangel des "Gute Laune"-Stoffes, der bei tristem, dunklem Wetter leicht entstehen kann, führt normalerweise zielgenau zum Schokoladevorrat. Zucker und Süßigkeiten helfen dem Organismus kurzfristig dabei mehr von dem Glückshormon zu produzieren - allerdings auf Kosten der Linie. Einen ähnlichen Effekt kann man aber auch mit Brokkoli, grünem Blattgemüse, Spinat, Erbsen und Chinakohl erzielen, rät der Verband der Ernährungswissenschafter Österreich (VEÖ).

Familie der B-Vitamine

Bei ihrer Suche nach Mitteln gegen Depressionen stießen die Wissenschafter auf die Folsäure aus der Familie der B-Vitamine, die besonders in grünem Gemüse enthalten ist. Klinische Studien zeigten, dass Patienten, die mit dem Stoff behandelt wurden, schon bald erhebliche Stimmungsbesserungen verzeichneten. Selbst die Krankenhausaufenthalte der Betroffenen konnten reduziert werden.

Die Gelüste nach Kohlenhydraten kann man dem VEÖ zufolge nicht nur auf Kosten der Waage stillen. Auch Äpfel, Bananen, Vollkornweckerl, Nudeln und Erdäpfel sorgen für ein kleines Glücksgefühl zwischendurch. Wer partout nicht auf die Schokolade verzichten will, der soll sie in geringen Mengen und vor allem ohne schlechtem Gewissen in den Speiseplan einbauen, raten die Wissenschafter. Dem Vorzug sollte dabei Bitterschokolade mit hohem Kakaoanteil gegeben werden: Durch ihren niedrigen glykämischen Index treibt sie den Blutzuckerspiegel nicht in die Höhe.

Sport

Die wohl wirkungsvollste Waffe gegen schlechte Laune ist Sport: Täglich dreißig Minuten körperliche Betätigung auf dem Laufband bzw. Hometrainer zeigten bei einer US-Studie schnellere Wirkung gegen Depressionen als Medikamente. "Je mehr Sport, um so geringer die Wahrscheinlichkeit, dass die depressiven Symptome zurückkehren", so der US-Psychologe James Blumenthal.

Personen, denen die dunkle Witterung Wetter aufs Gemüt schlägt, tun gut daran, sich die Tipps zu Herzen zu nehmen. Die Experten bei Meteodata prognostizieren nämlich vor allem im Osten und Süden auch für die kommenden Tage nebelig, trübes Wetter mit nur wenig Sonnenschein. (APA)

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    derstandard.at
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