Medikament gegen Schuppenflechte mit Langzeitwirkung

11. Februar 2003, 12:54
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Das erste "Biotech"-Arzneimittel ist jetzt in den USA zugelassen

Washington/Wien - Ein neues Medikament könnte den Leidensweg der Betroffenen bei mittelschwerer bis schwerer Schuppenflechte (Psoriasis) deutlich lindern: In den USA wurde vor wenigen Tagen das erste Biotech-Arzneimittel zur Behandlung der chronischen und entstellenden Hauterkrankung zugelassen. Es verhindert die bei der Krankheit auftretende Überaktivierung von Immunzellen und beseitigt sie sogar.

Psoriasis tritt bei etwa 1,5 bis zwei Prozent der Bevölkerung auf. Allein in Österreich gibt es rund 120.000 Patienten, hieß es jetzt in einer Aussendung des US-Biotech-Unternehmens Biogen. Die Schuppenflechte ist eine Autoimmunerkrankung der Haut, die durch eine überschießende Produktion von Hautzellen gekennzeichnet ist. Die Folgen sind charakteristische silberweiße schuppende Plaques. Sie treten besonders häufig an Körperstellen wie Ellenbogen oder Knie auf. Bei schweren Verlaufsformen können ganze Körperteile oder Körperregionen befallen sein, auch Allgemeinsymptome - zum Beispiel Schmerzen - können auftreten.

"Kein kosmetisches Problem"

"Psoriasis ist kein kosmetisches Problem wie etwa Schuppen", erklärte dazu Gail M. Zimmerman, Präsidentin der amerikanischen "National Psoriasis Foundation". Sie fügte hinzu: "Psoriasis ist eine chronische Erkrankung mit schweren physischen und psychischen Begleiterscheinungen."

Die wahrscheinliche Ursache der Krankheit ist die Aktivierung von Immunzellen (T-Zellen und Antigen-präsentierende Zellen) als falsche Reaktion auf ein körpereigenes Protein. Als Resultat darauf beginnt dann der zu schnelle "Umsatz" von Zellen der Haut, was zur Schuppenbildung führt.

Doch in den vergangenen Jahren gab es bedeutende Verbesserungen. Auf Grund von neuen Erkenntnissen der Grundlagenforschung wurden die Abläufe besser verstanden, die zur Entstehung der Krankheit führen. Dieses Wissen über die immunologischen Ursachen führte schließlich zur Entwicklung neuer Behandlungsstrategien, welche die Psoriasis direkt beeinflussen sollen.

Arzneimittel mit neuen Prinzipien im Aufwind

Bei dem nun zugelassenen Alefacept handelt es sich um ein so genanntes Fusions-Protein. Es besteht aus einem gentechnisch produzierten Eiweiß, das die Aktivierung von T-Lymphozyten verhindert. Diese weißen Blutkörperchen produzieren jene chronischen entzündungsfördernden körpereigenen Substanzen, welche die Psoriasis-Symptome letztendlich erzeugen.

Das Medikament zielt darauf ab, die Anzahl dieser krankheitsverursachenden Zellen zu verringern. Das geschieht auch, in dem es bei für die Schuppenflechte besonders bedeutungsvollen T-Gedächtniszellen den so genannten "programmierten Zelltod" (Apoptose) auslösen.

Weitere werden folgen: So wurden in den vergangenen Jahren auch Studien mit einem monoklonalen Antikörper (Infliximab) gegen den stärksten körpereigenen entzündungsfördernden Stoff Tumornekosefaktor alpha (TNF-alpha) publiziert, der bei der Schuppenflechte ebenfalls eine Rolle spielt. Zur Anwendung bei dieser Hautkrankheit erprobt wird auch das am Novartis Forschungsinstitut in Wien entwickelte neue Medikament "Pimecrolimus" gegen die atopische Dermatitis (auch: Neurodermitis). (APA)

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