Bode Miller Superstar

12. Februar 2003, 19:01
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Der US-Amerikaner holt Gold im Riesentorlauf - Hans Knauß nur um drei Hundertstel geschlagen - Bronze geht an Erik Schlopy und dessen fantastische Aufholjagd

St. Moritz - Hans Knauß hat bei der WM in St. Moritz mit Riesentorlauf-Silber die siebente WM-Medaille für Österreich gewonnen, den heiß ersehnten WM-Titel aber wieder einmal um einen Hauch verpasst. Der ging in einem verrückten Rennen an den US-Star Bode Miller, der sich 3/100 vor Knauß und 4/100 vor seinem sensationell fahrenden US-Landsmann Erik Schlopy mit seiner dritten Medaille noch vor dem Slalom praktisch bereits zum WM-König gekrönt hat.

Bestzeit für Knauß im ersten Durchgang

Im ersten Durchgang fuhr Knauß mit Startnummer zwei klare Bestzeit vor Benni Raich (1), Michael von Grünigen lag als Dritter ebenso in Reichweite wie Miller (4.) und ein zeitgleiches Quartett auf Platz sechs, zu dem auch Stephan Eberharter gehörte. Schon da zeigte sich aber, dass vordere Nummern deutlich bevorteilt sind.

Schlopy und der Lauf seines Lebens

Nur Christian Mayer hatte als 17. keine Chance mehr. Oder vielleicht doch? Schlopy trat den Beweis an, dass auf dem vom Norweger Vognild deutlich drehender gesetzten zweiten Kurs mit einer guten Nummer alles drin war. Der 30-Jährige, der wie Miller seit Jahren in Tirol (Patsch) überwintert und von Park City nach New York City übersiedelt ist, machte "mit dem Lauf meines Lebens" fast zwei Sekunden auf die Favoriten gut und fuhr von Platz 23 noch auf Rang drei.

Raich wurde durchgereicht

Und während sowohl Raich (9.) als auch die großen "alten" Favoriten wie von Grünigen (7.) und Eberharter (23.) bei deren WM-Good-Bye durchgereicht wurden, fuhr etwa der Slowene Ales Gorza noch auf Rang vier, verpasste Bronze um 34/100.

Fotofinish

Nur Miller und Knauß fingen Schlopy noch um einen Hauch ab und dass er am Ende gerade ein Hundertstel vor Schlopy lag, war doch wenigstens ein kleiner Trost für Knauß. Der 32-jährige Steirer hat bekanntlich schon mehrmals in seiner von vielen Verletzungen geprägten Karriere Hundertstel-Pech gehabt, vor vier Jahren in Vail etwa blieb ihm im WM-Super-G nur Bronze - ein Hundertstel hinter den Ex-aequo-Siegern Hermann Maier und Lasse Kjus.

Freude und Ärger zugleich

"Typisch", gestand Knauß im Ziel "gemischte Gefühle" ein. "Ich freu mich schon irrsinnig über Silber, aber drei Hundertstel tun schon auch ein bissl weh. Das war wieder einmal Extraklasse Knauß", nahm sich der Schladminger selbst wegen des wieder einmal so knapp verlorenen Titels auf die Schaufel. "Andererseits bin ich nur ein Hundertstel vor Schlopy, also habe ich auch Glück gehabt."

Ein "perfekter Tag" für Miller

Kombi-Weltmeister Miller sprach nach seiner zweiten Goldmedaille von einem "perfekten Tag". "Schon die Kombination war eng, aber das heute war wirklich knapp", schüttelte der 25-Jährige aus Franconia in New Hampshire den Kopf. "Im Riesentorlauf war für mich die Medaille am härtesten zu bekommen, deshalb bin ich jetzt wirklich happy", sagte Miller und lobte seinen Trainings-Kollegen und Mitbewohner Schlopy: "Wenn er so fährt wie heute, ist er nicht zu schlagen. Mich hat nur mein Vorsprung aus dem ersten Lauf gerettet."

Abgeschlagene Altmeister

Traurig verlief der Abschied der großen Asse Eberharter und von Grünigen. "So eine Panier zu kriegen ist ein Wahnsinn. Natürlich wär's mir lieber gewesen, wenn es auch im zweiten schneller dahin gegangen wäre. Aber ganz verstehe ich das nicht,", gestand Eberharter. "Aber ich bin ja Weltmeister, also darf ich nicht böse sein."

Von Grünigen gesteht "dummen Fehler" ein

Von Grünigen gestand: "Ich bin schon enttäuscht. Am meisten ärgert mich, dass die Medaille in Griffweite war. Der drehende Kurs war nicht das Problem, ich habe einen dummen Fehler gemacht."

Österreich beschränkt sich auf Gold und Silber

Österreich hat nach sieben WM-Bewerben sieben Medaillen gewonnen. Drei Goldene und gleich vier Silberne, dafür noch keine Bronze-Medaille. Mit sechs Medaillen sind die USA aber sensationell im Rennen, davon hat alleine Miller mit zwei Gold und einer Silbernen die Hälfte gewonnen.(APA)

  • Zweiter Durchgang:

    1. Erik Schlopy (USA) 1:25,29 2. Kalle Palander (FIN) +0,98 3. Bode Miller (USA) +1,01 4. Aksel Lund Svindal (NOR) +1,15 5. Ales Gorza (SLO) +1,19 6. Cristian Simari Birkner (ARG) +1,20 7. Dane Spencer (USA) +1,27 8. Alberto Schieppati (ITA) +1,33 9. Arnold Rieder (ITA) +1,52 10. Christian Mayer (AUT) +1,59 Fredrik Nyberg (SWE) +1,59 12. Daron Rahlves (USA) +1,72 13. Tobias Grünenfelder (SUI) +1,89 14. Didier Cuche (SUI) +1,91 Hans Knauß (AUT) +1,91

    weiter: 19. Michael Von Grünigen (SUI) +2,23 21. Benjamin Raich (AUT) +2,37 24. Kjetil-Andre Aamodt (NOR) +2,76 26. Stephan Eberharter (AUT) +2,89

  • Erster Durchgang:

    1. Hans Knauß (AUT) 1:18,76 2. Benjamin Raich (AUT) +0,57 3. Michael Von Grünigen (SUI) +0,58 4. Bode Miller (USA) +0,87 5. Marco Büchel (LIE) +1,01 6. Ambrosi Hoffmann (SUI) +1,02 Frederic Covili (FRA) +1,02 Joel Chenal (FRA) +1,02 Stephan Eberharter (AUT) +1,02 10. Ales Gorza (SLO) +1,08 11. Didier Cuche (SUI) +1,37 12. Kjetil-Andre Aamodt (NOR) +1,44 13. Aksel Lund Svindal (NOR) +1,57 14. Alberto Schieppati (ITA) +1,59 15. Tobias Grünenfelder (SUI) +1,61 16. Fredrik Nyberg (SWE) +1,69 17. Christian Mayer (AUT) +1,71

    Ausgeschieden u.a.: Massimiliano Blardone (ITA), Ivica Kostelic (CRO), Jean-Pierre Vidal (FRA), Andreas Ertl (GER)

  • Anichtssache

    Das Rennen in Bildern

    Stimmen

    Hans Knauß: "Ich hab' gemischte Gefühle. Ich bin glücklich über Silber, ärger' mich aber auch über das so knapp verpasste Gold. Wieder drei Hundertstel hinten. Doch ich bin auch nur eine Hundertstel vor dem Dritten, also hatte ich doch zumindest nach hinten hin Glück. Ich habe mir vor dem zweiten Lauf vorgenommen, wieder voll zu attackieren. Ich habe gewusst, dass ich nur so mithalten kann. Oben weg war es dann schwer, im Steilhang bin ich aber stark gefahren."

    Bode Miller: "Es ist perfekt, zwei Amerikaner auf dem Podium – ein großer Tag heute. Es war alles irrsinnig knapp und die am schwierigsten zu gewinnende Medaille. Für mich kam nur voller Angriff, volles Risiko in Frage. Und manches Mal hat man dann auch das Glück auf seiner Seite. Ich habe alles gegeben, was ich habe. Schlopys Fahrt habe ich am Start auf dem Fernseher gesehen. Wenn er so fährt wie im zweiten Lauf, schlägt ihn niemand."

    Eric Schlopy: "Ich habe zu Bode hinauf gefunkt, er soll Vollgas geben, denn eine Medaille gehört bereits mir. Es war der beste Lauf meines Lebens. Auch ich habe Vollgas gegeben, hatte nichts zu verlieren. Ich bin diesen Durchgang einfach für mich und ruhig gefahren. Diese Läufe mit den großen Schwüngen gefallen uns Amerikanern."

    Benjamin Raich: "Der Lauf war extrem eckig gesetzt, aber das war nicht das Problem, denn so was liegt mir ja. Von der Linie her muss es gepasst haben. Aber wenn du einmal aus dem Rhythmus kommst, findest nicht mehr hinein. Ich habe alles gegeben, es hat nicht gereicht. Ich habe mir nix vorzuwerfen. Eine Chance habe ich noch – und aller guten Dinge sind drei."

    Stephan Eberharter: "Dass ich so viel verliere, hätte ich nicht gedacht. Es war schon sehr schwer zu fahren. Meine WM-Bilanz fällt mit der Goldmedaille im Super G aber natürlich positiv aus. Es war sicher mein letztes WM-Rennen, denn in zwei Jahren bin ich knapp 36, das ist nicht realistisch."

    Michael von Grünigen: "Ich hätte gerne noch eine dritte Goldene gehabt, aber leider habe ich heute die Medaillen verpasst. Was mich aber am meisten ärgert ist, dass ich sie in Griffweite gehabt hätte. Doch ich habe auch Fehler gemacht, so ist eben der Sport. In meinem letzten Rennen in der Schweiz hätte ich mir schon eine bessere Vorstellung gewünscht."

    Hans Pum: "Diese drei Hundertstel tun heute schon weh, aber bei so einem Rennen muss man froh sein, dass man mit Silber aussteigt. Der Lauf war schon ein bisschen extrem gesteckt."

    Links

    US Ski Team

    Hans Knauß

    • Bild nicht mehr verfügbar

      WM-Held Bode Miller (rechts) und der Silberne Hans Knauß.

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