"Rückschritt in Zeiten politischen Proporzes"

12. Februar 2003, 19:28
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Der neue Kulturfonds der Stadt Salzburg löst auch Kritik an der Zusammensetzung des Kuratoriums aus

Salzburg - Die Stadt Salzburg versteht ihren neuen Kulturfonds, der am Dienstag bei einer Pressekonferenz präsentiert wurde, als "Starthilfe für kulturelle Innovation". Rund 100.000 Euro, das sind die Zinsen des mit 3 Mio. Euro gefüllten Fonds, sollen jährlich ausgezahlt werden. Gefördert werden sollen unter anderem die Vernetzung von Kultur zu Bildung, Wissenschaft, Ökologie und Wirtschaft, innovative Ideen zur Belebung des kulturellen Erbes sowie wertvolle Projekte, die ohne diese Unterstützung nicht realisiert werden könnten.

Flexibler kulturelle Schwerpunkte setzen

Zwei Preise mit je 10.000 Euro sollen an verdienstvolle Künstlerpersönlichkeiten vergeben werden. Der Vorteil gegenüber dem "normalen" Kulturbudget sei, dass mit dem Fonds schneller und flexibler kulturelle Schwerpunkte gesetzt werden könnten, sagte Winter. Neben den Hauptpreisen sollen Projektpreise mit lokaler Prägung, Stipendien und Förderpreise vergeben werden für Projekte, die im regulären Budget durch den Rost gefallen sind.

Kuratorium

Das ehrenamtliche Kuratorium besteht aus Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler, den Rektoren der beiden Salzburger Universitäten, Roland Haas und Heinrich Schmidinger, der Leiterin der Internationalen Sommerakademie für bildende Kunst, Barbara Wally, dem Leiter des Filmkulturzentrums, Michael Bilic, der Leiterin des städtischen Kulturamtes, Ingrid Tröger-Gordon, zwei Vertretern aus der Salzburger Wirtschaft (Jean-Marie Krier und Brigitte Forster-Ascher) sowie den Kultursprechern der Parteien.

Unüblicher Besetzungsmodus vergleichbarer Gremien

Kritik an dieser Zusammensetzung des Kuratoriums kommt vom Dachverband Salzburger Kulturstätten. Thomas Randisek sagte, die Besetzung des Vergabegremiums entspreche nicht dem üblichen Besetzungsmodus vergleichbarer Gremien, sondern sei ein Rückschritt in Zeiten des politischen Proporzes, der mit der Zielsetzung des Kulturleitbildes nicht zu vereinbaren ist. "Bei diesen Leuten im Kuratorium ist nicht garantiert, dass der Sinn des neuen Fonds erfüllt wird, nämlich die international neue, innovative Kultur zu unterstützen", argumentierte Randisek. Tatsächlich bezieht sich der neue Fonds der Stadt auf das Mitte vergangenen Jahres von allen Fraktionen beschlossene Kulturleitbild, in dem der Stellenwert der zeitgenössischen Kultur deutlich erhöht wurde. Für Randisek wird dieses Gremium genau das nicht tun.

Künstler, Kulturinitiativen und Projektanten können sich bis zum 6. März für einen der Preise aus diesem Fonds bewerben. Mitte März wird das Kuratorium erstmals zusammentreffen und die Projekte beurteilen. Bis jetzt sind bereits rund 30 Einreichungen bei der Stadt eingelangt. (APA)

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