Zehn Jahre Bleifrei

11. Februar 2003, 21:05
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Der Gehalt in Pflanzen hat sich halbiert - Luft ist deutlich besser geworden

Vor zehn Jahren begann der endgültige Ausstieg von verbleitem Benzin in Österreich. Ab 1. Februar 1993 durften ab Raffinierie und beim Import nur noch bleifreie Treibstoffe gehandelt werden, damit verschwand auch das bis dahin noch erhältliche verbleite Super langsam aus den Tanks der Zapfsäulen. Seit 1. November 1993 ist die Abgabe von Blei-Sprit an den Zapfsäulen endgültig verboten. Wie flächendeckende Untersuchungen des Umweltbundesamtes (UBA) Wien belegen, hat sich das Verbot für die Umwelt gelohnt, die Lage hat sich deutlich entspannt.

In der Luft spiele Blei "praktisch keine Rolle mehr"

"In der Luft spielt das Blei mittlerweile praktisch keine Rolle mehr", erklärte dazu Günther Lichtblau, Experte für Umwelt, Verkehr und Lärm am UBA gegenüber der APA. 1985 wurden noch insgesamt 332 Tonnen Blei pro Jahr in die Umwelt geblasen, wobei der Verkehr etwa drei Viertel des Ausstoßes verursachte. Bis zum Jahr 2000 konnte der Ausstoß laut Umweltkontrollbericht 2002 auf nur noch 13,2 Tonnen reduziert werden. Obwohl der Bereich Verkehr zu dieser erfreulichen Entwicklung das meiste beigetragen hat, konnte auch die Industrie den Blei-Output erheblich senken.

Deutlich geringere Dosen als noch vor zehn Jahren

Bleimessungen der Luft werden durch das UBA an drei Standorten in Österreich regelmäßig durchgeführt. "An den zwei traditionell gering belasteten Standorten in Oberösterreich und Salzburg liegt der Bleiwert häufig sogar unter der Nachweisgrenze, gerade bei Brixlegg messen wir noch Blei, wenngleich in deutlich geringeren Dosen als noch vor zehn Jahren", so Lichtblau.

Nachweisbar im Boden

Sehr wohl noch praktisch in ganz Österreich nachweisbar ist Blei im Boden. Das Schwermetall wird im Boden relativ fest etwa an Ton und Humus gebunden. Das hat den Nachteil, dass es sich über die Jahre kaum abbaut, aber auch den Vorteil, dass der Schadstoff für Pflanzen kaum verfügbar ist und so wenig Schaden anrichtet. Außerdem gibt es Gegenden in Österreich, in denen der natürliche Bleigehalt - verursacht durch bleihaltige Erze im Boden - relativ hoch ist.

Moosuntersuchungen

Um die Auswirkungen der Bleiemissionen auf Pflanzen flächendeckend beurteilen zu können, untersuchen die UBA-Experten seit Jahren Moose in ganz Österreich. Zur Zeit werden laut Alarich Riss, Abteilungsleiter für terrestrische Ökologie am UBA, 221 Standorte regelmäßig besammelt, diese sind so gewählt, dass sich ein repräsentatives Bild von Österreich ergibt. "Moose haben für diesen Zweck den Vorteil, dass sie ihre Nährstoffe nur aus der Luft nehmen und so die Luftqualität widerspiegeln", so Riss.

Reduktion um 54 Prozent

Im Jahr 1995 ergaben die Moos-Analysen österreichweit durchschnittlich 9,8 Milligramm pro Kilogramm Trockengewicht (mg/kg TG), 2000 hatte sich der Wert um rund 33 Prozent auf 6,6 mg/kg TG reduziert. Geht man bis 1991 zurück, ergibt sich sogar eine Reduktion um 54 Prozent. Dabei müsse allerdings eingeschränkt werden, dass die Werte 2000 und 1991 auf Grund unterschiedlicher Probennahmen nicht so gut vergleichbar sind. Die Moos-Analysen werden in Zusammenarbeit mit dem Institut für Ökologie und Naturschutz der Universität durchgeführt. (APA)

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