Estland ist stolz auf seine KaZaA-Entwickler

11. Februar 2003, 11:40
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"Sie haben großartige Arbeit geleistet"

Als der schwedische Software-Entwickler Niklas Zennstrom Programmierer für KaZaA suchte und sich für drei in der Szene unbekannte 20-Jährige aus Estland entschied, äußerten Kollegen noch Zweifel. Sprachlos waren sie aber, als die von Ahti Heinla, Priit Kasesalu und Jaan Tallinn in ihrem kleinen Büro entwickelte Software im Sturm das Internet eroberte und zur meist heruntergeladenen Software wurde. Allein über Download.com von CNET wurde das KaZaA-Programm in einem Monat 14 Millionen Mal abgerufen.

"Es waren die drei Esten, keine riesige Forschungsabteilung, die den Programmcode lieferten"

Zennstrom wusste zwar, was er wollte, als er die Esten anheuerte, aber wie das Programm aussehen sollte, war ihm noch nicht klar. "Es waren die drei Esten, keine riesige Forschungsabteilung, die den Programmcode lieferten", sagt Zennstrom. In vier Monaten sei das Programm fertig gewesen und habe fast vom Start weg Ende 2001 fehlerfrei gearbeitet. "Es war großartig. Sie sind sehr gut", erklärte er kürzlich bei einer Reise nach Tallinn. "Ob wir über den Erfolg von KaZaA überrascht waren? Ja, und wie", sagt Heinla.

Technologischer Sprung

Für Zennstrom ist es kein Zufall, dass die Programmierer von KaZaA aus Estland kommen. Das Land, dass bislang vor allem für seinen Papierexport bekannt ist, hat dank Hilfe aus dem benachbarten Finnland einen großen technologischen Sprung gemacht.

Die drei Esten arbeiten immer noch in ihrem kleinen Büro ihrer Firma Bluemoon. Ein Versuch von US-Gerichten, sie zu einer Anhörung im Urheberrechtsstreit der US-Unterhaltungsindustrie gegen KaZaA in die USA zu laden, scheiterte an einem estnischen Gericht, dem die Anfrage zu vage erschien. Die drei Programmierer verteidigen ihre Arbeit. "Wir sehen uns nicht als jemand, der ein Werkzeug für Piraterie entwickelte", sagt Heinla. "Es ist ein Werkzeug für die Musikindustrie und andere." Die meisten Esten sind wohl stolz darauf, dass ihre Landsleute für so viel Aufsehen gesorgt haben. "Die Menschen sind sehr beeindruckt", sagt Kristjan Ostmann, Redakteur der Zeitung "Postimees". "Sie haben großartige Arbeit geleistet." (APA/AP)

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